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Viele Gliedstaaten preschen in der Klimapolitik voraus


Selbst Texas hat erkannt, woher der Wind weht


Sogar in konservativen Staaten ist die erneuerbare Energie auf dem Vormarsch. Und das meist ohne jeden staatlichen Auftrag.


Die Ankündigung Präsident Trumps, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, scheint Politiker auf der Ebene der Gliedstaaten und der Städte elektrisiert zu haben. Drei Gouverneure, 68 Bürgermeister und mehr als 80 Rektoren von Hochschulen haben sich mit einer Gruppe solidarisiert, die, wie der frühere Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, gegenüber der «Washington Post» angegeben hat, versuchen will, die Rolle der USA im Klimaabkommen zu übernehmen.
 
Klimapolitik an der Hintertür
 
Formal ist das natürlich nicht möglich, weil nur Staaten am Pariser Abkommen teilnehmen können. Doch die Mitglieder dieser Koalition könnten anstelle der Vereinigten Staaten die Leistungen beim Abbau des Treibhausgasausstosses in ihrem Einflussbereich an die Uno-Klimabehörde (UNFCCC) melden und damit auf informelle Art sicherstellen, dass die amerikanischen Zusagen von 2015 – bis zum Jahr 2025 nämlich 26 bis 28 Prozent weniger Treibhausgasausstoss als 2005 – trotz dem Abseitsstehen der Bundesregierung erfüllt werden.
 
Federführend in der Koalition, die sich den Namen «United States Climate Alliance» gegeben hat, sind die Gliedstaaten Kalifornien, New York und Washington. Sie stellen mit 68 Millionen Einwohnern nicht nur fast einen Fünftel der Bevölkerung der USA, sondern erwirtschaften auch mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts und produzieren mehr als 10 Prozent der Treibhausgase des Landes.
 
Kalifornien ist seit langem die Speerspitze des Kampfs gegen den Klimawandel. Gouverneur Jerry Brown gehört längst zu den wichtigen Spielern auf der internationalen Bühne. Die «Los Angeles Times» gab ihm bereits den Titel des informellen Klimabotschafters der Vereinigten Staaten. Am Freitag brach er beispielsweise zu Klimagesprächen in China auf. Intern war Kalifornien seiner Zeit bereits vor zehn Jahren voraus, als der Staat Klimaziele definierte und internationale Abkommen schloss – notabene ohne Hilfe aus Washington. Andere Gliedstaaten wie New York oder Illinois sind dem Beispiel des Golden State auf dem Gebiet von Klimazielen gefolgt, ebenso Städte wie New York oder Chicago.
 
Hinter diesen Aktivitäten stehen meistens demokratische Politiker, aber nicht immer. So hat der republikanische Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, im Dezember einen neuen Energieplan in Kraft gesetzt, der unter anderem die Stilllegung von Kohlekraftwerken und einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien vorschreibt. Laut der nationalen Konferenz der Gliedstaaten-Parlamente (NCSL) haben bereits 29 Staaten Vorschriften erlassen, welche den Elektrizitätsverteilern vorschreiben, einen gewissen Prozentsatz oder eine gewisse Menge an erneuerbarer Energie in ihr Angebot aufzunehmen.
 
Unter den vielfältigen Aktivitäten, die in die Zukunft weisen, statt wie Trump der Kohlewirtschaft nachzutrauern, verstecken sich auch einige unerwartete Pioniere. Wie das «Wall Street Journal» berichtete, hat sich das sonst so konservative Texas ohne jeglichen gesetzlichen Auftrag bei der Produktion erneuerbarer Energie in eine Führungsposition vorgearbeitet. Der «Lone Star State» produzierte 2016 über 12 Prozent seines Stroms mit Wind.
 
Laut der amerikanischen Vereinigung für Windenergie liegt der entsprechende Anteil landesweit zwar erst bei 5,5 Prozent. Doch in Iowa, dem Spitzenreiter unter den Gliedstaaten, steht dieser Wert bei über 36 Prozent. Weitere Spitzenpositionen halten South Dakota (über 30 Prozent), Kansas (knapp unter 30 Prozent) und Oklahoma (rund ein Viertel). Dazu kommt, dass die Windturbinen, mittlerweile mehr als 50 000 Stück in den USA, mehrheitlich in ländlichen Gebieten aktiv sind, was alleine 2016 einen Investitionsschub von mehr als 12 Milliarden Dollar in Gegenden auslöste, die das besonders nötig haben.
 
Wie rückwärtsgewandt Trumps Begründung für den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen war, zeigte sein Bezug auf Pittsburgh, die ehemalige Stahlstadt (Steel City) der USA. Trump wollte diese Legende mit dem Verweis wiedererwecken, er sei gewählt worden, um die Bewohner von Pittsburgh zu vertreten, nicht jene von Paris. Wie die «Washington Post» genüsslich ausbreitete, besuchte Trump Pittsburgh im vergangenen Jahr mindestens dreimal. Offenbar blieb ihm dabei verborgen, dass nicht mehr Rauchschwaden aus Schornsteinen durch die Strassen wehen, sondern allenfalls exotische Gerüche aus schicken Restaurants.
 
Hightech statt Schwerindustrie
 
Trump wollte wohl zu den Arbeitern sprechen, die nach der Schliessung der Kohlegruben und Stahlhütten am Monongahela-Fluss ihre Arbeit verloren. Doch solche gibt es in Pittsburgh kaum noch; dafür arbeiten Zehntausende in gut bezahlten Stellen in der Forschung, der Hightech- oder der Gesundheitsbranche. Pittsburghs Bürgermeister Bill Peduto, der im Frühling dank seiner Fundamentalopposition zu Trump mit 70 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden war, lehnte noch am Donnerstagabend die Erwähnung seiner Stadt durch den Präsidenten dankend ab. Pittsburgh, sagte Peduto, stimme Trumps Initiativen keineswegs zu, sondern stemme sich vehement gegen diese.
 
 
 

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... Der Brite Raab hat recht; es gilt, konservative und rechtsnationale Strömungen auseinanderzuhalten. Doch wie können Letztere eingedämmt werden?
Da gehen die Meinungen am WEF auseinander:
Gewisse sind überzeugt, konservative Kräfte müssten sich ganz klar von den rechtsnationalen abgrenzen; in diesem Kontext machte das historisch aufgeladene Wort der «Kollaboration» die Runde.
Andere wieder glauben, eine stärkere Umverteilung der Globalisierungsgewinne würde den Demagogen den Wind aus den Segeln nehmen.

Immer wieder hört man zudem das etwas verzweifelt klingende Credo, man müsse die Menschen ernst nehmen, welche Populisten wählten. Hier schwingt mit, dass das vorher nicht getan worden sei, was am Ende die jüngsten Protestwahlen gerade legitimiere.
Offenbar hört man erst jetzt in Davos die Sorgen des verunsicherten Mittelstands.
In einem gewissen Sinne können also die jüngsten Entwicklungen positiv gelesen werden, haben sie schließlich das Funktionieren der Demokratie gezeigt – doch gerade demokratische Strukturen könnten am Ende in Gefahr geraten.

Quelle.


Ray Dalio, Lawrence Summers und Christine Lagarde am WEF

«Populisten haben eine Vision – die Europäer nicht»


... Der Mittelstand in den entwickelten Ländern ist verunsichert und bringt die Länder in eine Krise. Eine verunsicherte Bevölkerung sagt zu schnell und zu oft Nein.

... Auch Summers sieht ein neues Zeitalter des Nationalismus angebrochen. Präsident Trump musste drei oder vier Telefonate machen, und schon investieren Unternehmen nicht mehr in Mexiko, sondern im Herzen der Vereinigten Staaten. Dies hat für Zehntausende von Menschen starke Auswirkungen. Summers sagt, die kurzfristigen positiven Auswirkungen würden durch langfristige schlechte Auswirkungen abgelöst. Doch der Populismus funktioniere überall auf der Welt gleich. Der Populist mache dem Mittelstand ein vermeintliches Geschenk oder wolle ihm helfen, aber am Ende sei es der Mittelstand, der die Zeche bezahlen muss.

Christine Lagarde sieht die Globalisierung noch immer als Königsweg. Zu sagen, dass Globalisierung schlecht sei, da sie vermeintlich Arbeitsplätze vernichte, sei zu wenig. Man müsse mehr forschen und nachdenken. Doch ohne Globalisierung sei es für die vielen Menschen auf der Welt, die noch um das tägliche Überleben kämpfen, nicht möglich, sich aus der Armut zu befreien. Dies bestätigt auch Padoan. Im Grossen und Ganzen habe die Globalisierung immer einen positiven Nettoeffekt.

Die Globalisierung habe sich total verändert, ist Larry Summers überzeugt. Sprach man vor einigen Jahren noch von Importen und Exporten, so lebten wir heute im Zeitalter der globalen Produktionskette. Diese Kette verändere die Spielregeln stark. Kapital und Produktion kann sehr schnell verschoben werden. Dieser Wettbewerb kann laut Summers eine Negativspirale auslösen.




Quelle.  
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Davos

Jan. 20th, 2017 09:59 pm
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Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben zu einer paradoxen Situation geführt: In Davos wird mit Erstaunen bis Entsetzen auf den Beginn der Präsidentschaft von Donald Trump geschaut, dessen Äusserungen befürchten lassen, dass es im Kernland des Kapitalismus zu einer Renaissance von Isolationismus, Nationalismus und Protektionismus kommt. Zugleich wurde der erste Auftritt eines chinesischen Machthabers bejubelt, der sich als Verteidiger von Freihandel und Globalisierung präsentierte, obwohl es sich bei China um eine Diktatur handelt und die Wirtschaft in vielen Bereichen noch stark abgeschottet ist. Doch es war im Davoser Kongresszentrum unübersehbar, dass das Reich der Mitte eine neue Stufe des Selbstbewusstseins erklommen hat.

Viele überzeugende Antworten, so es denn überhaupt welche gab, hat man in Davos nicht auf die neuen Fragen gehört. Vieles erinnert an ein Stochern im Nebel. Grossbritannien sucht sein Heil in einer noch stärkeren Globalisierung bei zugleich besserer Berücksichtigung der Interessen aller Gesellschaftsschichten. Das ist ein schwieriger Spagat. Je nachdem, wie schlecht oder gut dieser den Briten gelingt, könnte ihr Weg zum abschreckenden Beispiel für andere Nationen werden – oder zu einem neuen Vorbild.


Quelle. 
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Sänger und Musiker sind nicht die einzigen Künstler, die Trump eine Nase drehen, auch viele Hollywoodstars rufen zur Gegenwehr auf. Schauspielerinnen wie Julianne Moore, Frances McDormand und Scarlett Johansson wollen am Samstag beim «Women's March» mitlaufen, dem grossen Protestmarsch, zu dem Hunderttausende aus allen Teilen des Landes nach Washington kommen. Bildende Künstler, darunter Cindy Sherman und Richard Serra, haben Museen und Galerien aufgefordert, am Freitag die Türen zu schliessen – eine Idee, die nicht nur Beifall erhalten hat. Zu Recht: Warum sollen ausgerechnet die Institutionen zumachen, in denen jene Diversität und intellektuelle Auseinandersetzung befördert wird, die zu stärken nötiger scheint denn je?

Um in diesem Sinne dem Geist der Zeiten zu trotzen, hatte die Autorenvereinigung PEN America schon am letzten Sonntag eine grosse Anzahl Schriftsteller zu einer öffentlichen Lesung auf den Stufen der New York Public Library versammelt, wo Michael Cunningham, Siri Hustvedt, Rick Moody, Jeffrey Eugenides, Francine Prose und viele andere über drei Stunden in klirrender Kälte Gedichte vortrugen – mit anschliessendem Protestzug zum Trump Tower. Dortselbst fand auch am Donnerstagabend auf Anregung des Filmemachers Michael Moore und diverser Schauspieler eine grosse Protestveranstaltung statt – mit im Boot: New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio.

Es ist in diesem Zusammenhang wohl nicht unerheblich, dass Barack Obama den Künsten und der Literatur sehr zugetan ist; Bücher sind dem scheidenden Präsidenten erklärtermassen Seelennahrung und Überlebenshilfe. Künstler und Schriftsteller waren im Weissen Haus regelmässig zu Gast, und wie man den Hochglanzmagazinen entnehmen kann, haben die Obamas die Wände mit moderner und zeitgenössischer Kunst gefüllt. Von Trumps Engagement in Sachen Kunst ist bisher nicht viel an die Öffentlichkeit gedrungen – nur überlebensgrosse Ölporträts von ihm selbst. Und natürlich jene Tweets, in denen er das Broadway-Ensemble des Musicals «Hamilton», den Schauspieler und TV-Trump-Parodisten Alec Baldwin und zuletzt Meryl Streep für «vollkommen überschätzt» erklärte – weil diese ihn kritisiert hatten.

Tickets fürs Volk

Der Mann, der Glamour und Star-Power über alles liebt, hatte bei seiner Amtseinführung also weitgehend nur die zweite Wahl. Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er aus dem Debakel nicht Kapital geschlagen hätte. So verkaufte er – via Twitter, versteht sich – das mickrige Star-Aufgebot als eine Verbeugung vor seinen Fans. Er wolle gar keine Superstars haben, sondern die Tickets günstig halten, damit auch «das Volk» dabei sein könne.

Angesichts all der Absagen, die es von Entertainern, aber auch von vielen Politikern hagelte, war dieser Impuls im Zweifelsfall wohl eher eine Notmassnahme, um die Ränge mit jener «riiieesigen Menge» zu füllen, die der neue Präsident seiner Selbsteinschätzung nach wie ein Magnet anzieht.


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Erfolgreich glücklich

 
NZZ,  05. September 2014, 14:12



In unserer Arbeitswelt strengen sich viele in erster Linie für Erfolg an. Ob man glücklich ist oder nicht, sehen wir eher als private Angelegenheit. Jedoch vermuten wir die Voraussetzung für privates Glück häufig im beruflichen Erfolg. Geflügelte Worte wie «das Glück des Tüchtigen» haben dieses Verständnis in unsere Weltsicht eingebrannt. Ist man tüchtig, wird man am Schluss auch glücklich. Die falsch verstandene Reformation versprach gar den Tüchtigen und Hart-Arbeitenden als Lohn das Paradies – das ewige Glück.

Natürlich kennen wir alle auch Beispiele von tüchtigen und erfolgreichen Menschen, die offensichtlich überhaupt nicht glücklich sind – manchmal bis hin zum mittelbaren oder unmittelbaren Suizid. So scheinen wir zumindest intellektuell zu verstehen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Erfolg und Glück gibt. Dennoch streben viele von uns nach Erfolg – als eine gefühlte Voraussetzung für Glück.

Je glücklicher, desto erfolgreicher
Wie wäre es nun, wenn der Zusammenhang sich genau umgekehrt verhielte? Wenn man erfolgreich wäre, weil man glücklich ist. Dies klingt für manche, insbesondere für unglückliche oder erfolglose Menschen wie blanker Zynismus. «Sei doch glücklich, dann wirst Du auch erfolgreich sein.» Glück fühlt sich eher an wie eine Konsequenz, ein Ergebnis – und nicht so sehr wie etwas, was man direkt beeinflussen kann.


 
Doch Hirnforscher haben etwas Spannendes entdeckt. Ein Mensch, der drei Wochen lang jeden Tag drei positive Erlebnisse aufschreibt, verändert damit die physische Struktur seines Gehirns. Dies kann man tatsächlich messen und nachweisen. Erklären kann ich es mir so: Durch Training mit Gewichten vergrössern wir Muskeln. Durch intensives Klaviertraining vergrössern wir Regionen im Gehirn, die unsere Finger steuern. Genauso können wir auch unsere Wahrnehmungsfähigkeit für positive Dinge bewusst trainieren. Quasi vom «halb-leeren» zum «halb-vollen» Glas.

Glück steuert unsere Leistungsfähigkeit
Je mehr positive Dinge wir durch unser auf diese Weise trainiertes Gehirn wahrnehmen, desto mehr «Glückshormone» wie Serotonin und Dopamin schüttet unser Körper aus. Und diese Neurotransmitter machen unser Gehirn wachsamer, aufnahmefähiger, lernfähiger, leistungsfähiger und uns sogar selbstbewusster und intelligenter. Wenn wir Menschen erleben, die einfach Glück haben, denen scheinbar alles gelingt, so ist dies vielleicht eine Erklärung dafür. Und auch dafür, dass wenn jemanden scheinbar das Glück verlassen hat, er auch nicht mehr so erfolgreich ist.

Aufmerksam wurde ich auf diesen Zusammenhang durch einen TED-Talk von Shawn Achor. Und wenn man sich etwas damit beschäftigt, so findet man viele weise Menschen, die diesen Zusammenhang schon sehr viel früher erkannt hatten. Beispielsweise Albert Schweitzer: «Nicht Erfolg ist der Schlüssel zum Glück, sondern Glück ist der Schlüssel zum Erfolg.»

Probieren Sie es aus. Jeden Tag drei positive Erlebnisse zu notieren ist weniger anstrengend als ein Work-out im Fitness-Center oder ein MBA-Studium. Und mit jedem Tag Übung fällt es einem leichter.


Quelle. 

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