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Eine Besprechung zu "Geist und Kosmos " von Thomas Nagel.

Gefunden bei amazon. 

"Das Werk eines durch und durch unabhängigen Geistes...

...das ist ein Zitat von "The New York Review of Books" über den Autor Thomas Nagel und besser finde ich, kann man es nicht zusammenfassen. Das relativ schmale, nur rund 180 Seiten fassende und zum Verschlingen einladende Bändchen, ist tatsächlich komplett unabhängig vom traditionellen Wissenschaftsbetrieb in Physik und Evolutionsbiologie zum einen, und auch von der theistischen Erklärungsweise zum anderen. Eine Einstellung, die man ohne materialistische oder religionsgeprägte Hintergedanken und einer solch fundierten Analyse nicht oft findet. Da die besprochene Materie nicht trivial ist und Thomas Nagel häufig sehr gute Zusammenfassungen seiner eigenen Ansichten liefert, werde ich wo nötig auf seine eigenen Worte zurückgreifen und dies immer deutlich kenntlich machen.

Vertreter einer theistischen Erklärung der Welt sei gesagt, dass sie hier keine neue Kampfschrift gegen die Wissenschaft und für eine ausschließlich transzendente Erklärung der Welt erwartet. Nagel stellt gleich Anfang in eigenen Worten klar, dass er "…den Theismus…für kein bisschen glaubwürdiger als den Materialismus hält. Er stellt weiter fest, "...der Theismus...bietet eine sehr partielle Erklärung für unseren Platz in der Welt". Die Existenz zahlreicher konkurrierender Religionen verschärft diesen Fakt noch. Er führt weiter aus "Der Nachteil des Theismus besteht…nicht darin, dass er keine Erklärungen liefert, sondern dass er dies nicht in der Form einer umfassenden Darstellung der Naturordnung tut. Nagel ist es "...nicht möglich, ...die Alternative eines höheren Plans als eine wirkliche Option anzusehen".

Nach seiner Ansicht "...verstößt (der Theismus) die Suche nach der Intelligibilität aus der Welt." Intelligibilität sei hier definiert als die "Fähigkeit, Zusammenhänge ohne sinnliche Wahrnehmung, nur durch den Intellekt zu erfassen". Hier soll allerdings nicht im Geringsten der Eindruck aufkommen, es handele sich um eine primär religionskritische Schrift. Ebenso klar sind die Angriffe auf das gängige naturwissenschaftlich Weltbild und den reduktiven Materialismus. Gerade dass, was den Menschen ausmacht, wie Geist in Form von unter anderem Denken, Bewusstsein und Werte, lässt sich nach Nagel nicht auf teils abenteuerliche. und in avantgardistischen Randbereichen schier ebenso religiös anmutende physikalische Gesetze sowie pure Mathematik reduzieren.

Gemäß Nagel hat die theistische Darstellung den Vorteil, zumindest Erklärungsmodelle zu liefern für das, was über das Reale hinausgeht. Nagel subsumiert seine Haltung gegenüber beiden Welterklärungsmodellen in der pointierten Aussage "Der Theismus bietet keine ausreichend substanzielle Erklärung unserer Fähigkeiten, und der Naturalismus bietet keine ausreichend vergewissernde Erklärung dafür." Nagels Fokus liegt in dem Gebiet, welches zwischen diesen beiden traditionell von jeher unvereinbaren Polen liegt und er glaubt, dass es "weitere Möglichkeiten" geben muss. Nagel hofft auf "ein transzendentes Selbstverständnis..., das weder theistisch noch reduktionistisch ist".

Sein Idealbild liest sich wie folgt: "Aber wäre nicht eine alternative, säkulare Konzeption denkbar, die den Geist und alles, was er impliziert, nicht als den Ausdruck göttlicher Intention, sondern zusammen mit der physikalischen Gesetzmäßigkeit als ein fundamentales Prinzip der Natur anerkennen würde?" Nach Nagel müsste es eine Alternative zum Materialismus geben, "welche mentalistische und rationale Elemente einschließt". Er führt jedoch weiter aus, "dass diese Elemente der natürlichen Welt angehören könnten und keinen transzendenten individuellen Geist implizieren müssen, geschweige denn ein vollkommenes Wesen".

Diese "weiteren Möglichkeiten" und die Vereinigung der beiden so konträren Welten, die er zum Glück nicht mit dem vielstrapazierten Begriff "Ganzheitlichkeit" versieht, kann er allerdings nicht ausführlicher benennen, er fordert sie eben als Philosoph nur wie er es als seine ureigene Aufgabe sieht. Haben wir aber ein bahnbrechendes Buch vor uns, das in der Lage ist solch Modelle zu liefern um solch unterschiedliche Weltsichten zu vereinen? Per Definition natürlich nicht. Er selbst stellt es auch gleich klar "dass er keine Alternative zu bieten hat" und resümiert am Ende des Buchs sogar recht pessimistisch, dass zumindest "mein eigener Versuch, Alternativen zu untersuchen, bei weitem zu phantasielos ist."

Aber wenn man Missstände gerade als Philosoph nicht zumindest benennt, wird man sie auch nicht versuchen zu überwinden. Meine bescheidene Meinung und versuchte Würdigung der Leistung Nagels ist, das selbstverständlich das gegenwärtige naturalistische Weltbild verbesserungswürdig ist. Formal gesehen kann man, wie Nagel, es auch als "falsch" bezeichnen. Sicherlich muss es deutlich ergänzt werden, aber das ist sowieso Grundprinzip der Wissenschaften im Spannungsfeld von Verifikation und Falsifikation. Erkenntnisse werden verworfen oder verfeinert wenn man neue nachweisbare Fakten hat. Dies schließt natürlich noch nicht Nagels Forderung nach der integralen Würdigung des Geistes ein. Nagel selbst definiert nicht im Detail, was "Geist" überhaupt ist, so wie es auch bisher dafür keine allgemeingültige und von allen Lagern akzeptierte Definition gibt.

Des Weiteren scheint mir Nagel nicht auf dem neuesten Stand der Hirnforschung als auch neuester Erkenntnisse der Theoretischen Physik zu sein, da er gerne das "Urknallmodell" zitiert. Dies hat gerade in den letzten 2 Jahrzehnten eine deutliche Erweiterung erfahren hat und im Besonderen zyklische Erklärungsmodelle gehen weit über diesen Ansatz hinaus und sind viel deutlicher selbsterklärend und unabhängiger von äußeren Events. Dennoch ist Thomas Nagels Buch in jeder Hinsicht lesenswert und eine geistige Bereicherung ohne Gleichen, die in der Form kaum an anderer Stelle geboten wird. Die rund 180 Seiten gliedern sich in folgende Kapitel:

Vorwort
Kapitel 1: Einleitung
Kapitel 2: Der Antireduktionismus und die Ordnung der Natur
Kapitel 3: Bewusstsein
Kapitel 4: Kognition
Kapitel 5: Wert
Kapitel 6: Schluss
Register.  "
 


 
Quelle. 
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Let us once again engage in science fiction. This time we use an example devised by Rogers Albritton. Imagine that we someday discover that pencils are organisms. We cut them open and examine them under the electron microscope, and we see the almost invisible tracery of nerves and other organs. We spy upon them, and we see them spawn, and we see the offspring grow into full-grown pencils. We discover that these organisms are not imitating other (artifactual) pencils - there are not and never were any pencils except these organisms. It is strange, to be sure, that there is lettering on many of these organisms - e.g. BONDED Grants DELUXE made in U.S.A. No. 2. - perhaps they are intelligent organisms, and this is their form of camouflage. (We also have to explain why no one ever attempted to manufacture pencils, etc., but this is clearly a possible world, in some sense.)
If this is conceivable, and I agree with Albritton that it is, then it is epistemically possible that pencils could turn out to be organisms. It follows that pensils are artifacts is not epistemically necessary in the strongest sense and, a fortiori, not analytic.


Hilary Putnam: The meaning of "meaning", in : "Mind, Language and Reality", Philosophical Papers, Volume 2.

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Eine wie ich meine schöne Stelle bei J. Locke:
 

„Person ist der Name für dieses Selbst. Überall, wo jemand das findet, was er sein sich Selbst nennt, kann meines Erachtens jemand anderes sagen, es sei dieselbe Person. Es ist ein juristischer Terminus, mit dem jemand Handlungen und das, was sie verdienen, für sein eigen erklärt; er findet also nur bei vernunftbegabten Akteuren Anwendung, für die es ein Gesetz und Glück und Unglück geben kann.“

Locke, Versuch über den menschlichen Verstand, 2. Buch, 27. Kap., 26. Abschnitt.

 

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