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           Deutsche Bank soll Trump-Kredite offenlegen

Demokraten des US-Kongresses haben an die Deutsche Bank geschrieben. Sie fordern Aufklärung über Russland-Verbindungen des Kunden Trump und eine Geldwäsche-Affäre.

Donald Trump: Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt



Die Demokraten im US-Kongress wollen von der Deutschen Bank Auskunft über angebliche Verbindungen ihres Kunden Donald Trumpnach Russland. Sie fordern von Vorstandschef John Cryan eine detaillierte Aufklärung über die Erkenntnisse des Instituts zu Konten von Trump und den Krediten an den damaligen Immobilien-Unternehmer. "Der Kongress wird darüber im Unklaren gelassen, ob Kredite der Deutschen Bank an Präsident Trump von der russischen Regierung garantiert wurden, oder ob sie anderweitig in Verbindung zu Russland standen", heißt es in dem Reuters vorliegenden Brief der Demokraten im Finanzausschuss des Repräsentantenhauses an Cryan. Sie halten auch die Geldwäsche-Affäre, in die die Deutsche Bank in Russland verwickelt war, für noch nicht aufgeklärt.

 

Trump steht seit Monaten wegen angeblicher Kontakte seines Teams zur russischen Regierung in der Kritik. Dabei geht es auch um Russlands mutmaßliche Beeinflussung des Präsidentschaftswahlkampfs zugunsten Trumps. Ein Sonderermittler soll den Vorwurf geheimer Absprachen mit der Regierung in Moskau untersuchen. Im Kongress befassen sich insgesamt fünf Ausschüsse mit der Affäre. Trump und seine Berater haben solche Absprachen wiederholt dementiert, ebenso die russische Regierung.

 

Die Deutsche Bank war bereits im US-Wahlkampf in den Fokus geraten, weil sie mit Trump noch Geschäfte gemacht hatte, als er bei vielen großen US-Banken als Unternehmer in Ungnade gefallen war. "Zu einer Zeit, als fast alle anderen Finanzinstitute Trump keine Kredite mehr geben wollten, nachdem seine Firmen wiederholt Insolvenz angemeldet hatten, hat die Deutsche Bank das noch getan – sogar nachdem der (heutige) Präsident sie verklagt hatte (...)", heißt es in dem Brief an Cryan. Noch heute schulde Trump der Deutschen Bank geschätzt 340 Millionen Dollar. Die Bank wollte sich zu dem Brief nicht äußern.

Nach Angaben der Parlamentarier hält das Institut die Ergebnisse von zwei internen Untersuchungen unter Verschluss, in denen es um die Konten von Trump und seiner Familie bei der Deutschen Bank sowie um die Geldwäsche-Affäre in Russland geht. Nur wenn die Bank darüber aufkläre, könne die Öffentlichkeit abschätzen, wie stark Trump Russland verbunden sei und wie sich dies auf seine politischen Entscheidungen auswirken könnte. Die fünf demokratischen Ausschussmitglieder fordern die Bank auf, alle Dokumente aus der Untersuchung zur Verfügung zu stellen und die Ergebnisse von einem unabhängigen Prüfer untersuchen zu lassen.

 

Auskunft fordern die Abgeordneten auch über die Nutznießer der Geldwäsche-Affäre, in die die Deutsche Bank in Russland verstrickt ist. Dubiose Kunden hatten Schwarzgeld im Wert von zehn Milliarden Dollar gewaschen, indem sie Aktien in Rubel gekauft und über die Deutsche Bank in London in Dollar wieder verkauft hatten. Deutschlands größte Bank hatte sich in der Sache mit Behörden in Großbritannien und den USA auf eine Buße von umgerechnet 630 Millionen Euro geeinigt. Die Demokraten wollen nun wissen, welche "Russen in das Komplott verwickelt waren, wohin das Geld ging und wer von den riesigen Summen profitiert hat, die aus Russland herausgeschleust wurden".

Quelle.

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Gut gelaunt im Oval Office: Trump, Russlands Außenminister Sergej Lawrow (l.) und der russischen Botschafter Sergej Kisljak - verbreitet wurde dieses Bild vom russischen Außenministerium


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„Ein sehr, sehr gutes Treffen“, sagte Trump später - auch dieses Bild stammt vom russischen Außenministerium.

Stundenlang überließen es die Amerikaner den Russen, die Gespräche zu kommentieren. Während Außenminister Rex Tillerson seiner erklärten Aversion gegen Pressekontakte („ich brauche das nicht“) treu blieb, machte sich Lawrow auf einer Pressekonferenz in der russischen Botschaft mit sarkastischen Sprüchen über die Gastgeber lustig. Auf die Frage, ob Russland in den amerikanischen Wahlkampf eingegriffen habe, sagte Lawrow: „Ich hätte nie gedacht, solche Fragen beantworten zu müssen, zumal in den Vereinigten Staaten von Amerika mit Ihrem so großartig entwickelten demokratischen und politischen System.“ Amerika „erniedrigt“ sich selbst, fügte der Russe spöttisch hinzu, wenn es „in solchen Kategorien“ auch nur denke.

Quelle. 
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Nach Comey-RauswurfAmtierender FBI-Direktor widerspricht Trump


Kein Rückhalt in der eigenen Behörde, so begründet Trump den brisanten Rauswurf des FBI-Chefs, der gerade zu den Beziehungen des Trump-Teams zu Russland ermittelt. Doch von Comeys kommissarischem Nachfolger kommt prompt Widerspruch.




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Der entlassene FBI-Chef James Comey hat nach den Worten seines kommissarischen Nachfolgers Andrew McCabe große Unterstützung in der Behörde genossen. Die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter habe eine positive Beziehung zu Comey gehabt, sagte McCabe am Donnerstag vor dem Geheimdienstausschuss des Senats der Vereinigten Staaten in Washington.

Er widersprach damit der Darstellung des Weißen Hauses, Comey habe innerhalb der Behörde die Unterstützung verloren. Das wurde mit als Begründung für die Entlassung Comeys durch Präsident Donald Trump genannt. Daneben wurde als Grund Comeys Umgang mit der E-Mail-Affäre der früheren Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton angegeben. Comey war während des Wahlkampfs mit Informationen zur Untersuchung des regelwidrigen Umgangs der Ex-Außenministerin mit ihren dienstlichen Mails an die Öffentlichkeit gegangen. Die Demokraten halten die offizielle Begründung für die Entlassung des FBI-Chefs für unglaubwürdig.

 

McCabe: Kein Einfluss auf Russland-Untersuchungen

Comeys Entlassung soll nach Angaben McCabes keinerlei Auswirkungen auf die Ermittlungen der Bundespolizei zur Russland-Affäre haben. „Die Arbeit geht weiter, unabhängig davon, wie sich die Umstände verändert haben mögen“, sagte McCabe.
 

Der überraschende Rauswurf Comeys durch Präsident Donald Trump hat bei den oppositionellen Demokraten und anderen Trump-Kritikerin Besorgnisse ausgelöst, dass die Untersuchungen des FBI zu den mutmaßlichen russischen Hackerangriffen während des amerikanischen Wahlkampfs und möglichen illegalen Verbindungen von Trump-Mitarbeitern nach Moskau eingedämmt werden sollen.

Noch kein Comey-Nachfolger von Trump benannt

„Sie können die Männer und Frauen des FBI nicht daran hindern, das Richtige zu tun“, sagte McCabe dazu. Es habe keine Versuche gegeben, „unsere Untersuchung zu behindern“. McCabe war bislang Comeys Stellvertreter und hat die Leitung der Bundespolizei provisorisch übernommen. Einen Kandidaten für die Nachfolge Comeys hat Trump bislang noch nicht benannt.

McCabe wurde in der Anhörung auch gefragt, ob er es unterlassen werde, das Weiße Haus über den Stand der Ermittlung auf dem Laufenden zu halten. Das bejahte er.

Nicht äußern wollte er sich dagegen zu der Darstellung Trumps, Comey habe ihm drei Mal persönlich gesagt, dass nicht gegen ihn selbst ermittelt werde. Er kommentiere Gespräche zwischen dem Präsidenten und Comey nicht, sagte McCabe.

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Sally Yates

Feb. 3rd, 2017 04:09 pm
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Герои нашего времени. 
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       Deutsche Geheimdienste warnen vor russischer Manipulation

Russland versucht gezielt, das gesellschaftliche Klima in Europa zu beeinflussen, befürchten BND und Verfassungsschutz. Das Verhältnis zu den USA solle gestört werden.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) und das Bundesamt für Verfassungsschutz werfen Russland vor, die enge Bindung Europas an die USA systematisch zu torpedieren. Das geht aus einem gemeinsamen Bericht des Arbeitskreises PsyOps (Psychologische Operationen) an die Bundesregierung hervor, wie das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet

Das Bundeskanzleramt hatte die Geheimdienste damit beauftragt, russische Propagandakampagnen – wie etwa den Fall Lisa – sowie Cyberangriffe zu untersuchen. Vor gut einem Jahr war eine 13-jährige Russlanddeutsche kurzzeitig verschwunden. Das Mädchen gab später an, von "Südländern" vergewaltigt worden zu sein, was allerdings nicht stimmte. Russische Medien und Politiker warfen den deutschen Behörden daraufhin vor, einen vermeintlichen Skandal zu vertuschen.
 

Der Bericht der Geheimdienste stellt nun fest, dass die russische Einflussnahme innerhalb der EU zugenommen habe. Demnach versuche Russland gezielt, das gesellschaftliche Klima zu beeinflussen und Konflikte zu eskalieren. Der Spiegel berichtet weiter, es gehe Russland darum, das Bündnis zwischen der EU und den USA zu destabilisieren. 

Sorge bereitet auch, dass Russland mit Cyberattacken nach Ansicht von US-Geheimdiensten aktiv in den Präsidentschaftswahlkampf in den USA eingegriffen habe. Das hatte jüngst auch der künftige US-Präsident Donald Trump kritisiert.

Einfluss auf Wahlen in Europa

 

Nicht nur für den Bundestagswahlkampf in Deutschland werden nun ähnliche Manipulationsversuche durch Russland erwartet, auch für die Wahlen in anderen EU-Ländern wie etwa in den Niederlanden im März oder im April/Mai in Frankreich. Die EU und die Nato seien längst alarmiert und suchten zusammen mit ihren Mitgliedstaaten nach Gegenstrategien, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die Angriffe auf Datennetze vieler ihrer Mitgliedstaaten seien besorgniserregend. Daher konzentriere man sich darauf, die Bündnisstaaten bei der Cyberabwehr zu unterstützen. "Jeder Versuch, in nationale Wahlen von außen einzugreifen oder diese zu beeinflussen, ist nicht hinnehmbar." 

Der für Sicherheit zuständige EU-Kommissar Julian King warnte schon im November vor Cyberangriffen, die darauf zielten, "die öffentliche Meinung vor allem während Wahlkämpfen zu manipulieren". Es könne davon ausgegangen werden, "dass solche Angriffe fortgesetzt werden, um 2017 die Wahlen in Europa zu beeinflussen".

EU und Nato gründen Zentrum für Abwehr hybrider Bedrohungen

Mit der Richtlinie zur Sicherheit von Netzwerken und Informationssystemen (NIS-Richtlinie) hatten sich die Europäer im August 2016 erstmals EU-weite Regeln zur Cybersicherheit gegeben. Die Mitgliedstaaten verpflichten sich damit, nationale Abwehrstrategien zu entwerfen, Eingreif- und Überwachungsteams aufzustellen und sich regelmäßig auf EU-Ebene abzustimmen. In nationales Recht umgesetzt und damit voll in Kraft gesetzt wird die Richtlinie allerdings erst bis Mai 2018.

Seit vergangenem Jahr ist das Internet für die Nato ein eigenständiges Einsatzgebiet. Angriffe über Datennetze können seither wie andere militärische Angriffe behandelt werden. Damit ist möglich, dass Hackerangriffe sogar den Bündnisfall nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrages auslösen.
 

Die Abwehr digitaler Angriffe spielt auch beim gemeinsamen Vorgehen von EU und Nato gegen sogenannte hybride Bedrohungen eine Rolle. Damit sind etwa Täuschungen und Verschleierungen, Propaganda und gezielte Desinformation sowie Hackerangriffe statt des Einsatzes militärischer Mittel gemeint. Der Westen wirft Russland vor, solche Taktiken im Ukraine-Konflikt eingesetzt zu haben. 

Schon im Dezember hatten die Nato und die EU vereinbart, ein europäisches Zentrum für die Abwehr hybrider Bedrohungen zu gründen. Bisher laufe ein Austausch zur Cyberabwehr, teilte die Nato mit. Wichtig sei, dass es abgestimmte und gemeinsame Standards zur Abwehr gebe und das Personal daher gemeinsam geschult und ausgebildet werde. Stoltenberg betonte allerdings, dass Gegenpropaganda das falsche Mittel sei. Stattdessen müsse Europa mit klaren Fakten gegensteuern.

Quelle: Die "Zeit" : http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-01/russland-deutschland-geheimdienst/komplettansicht





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Если принять всерьёз то, что пишет сегодня вечером немецкая пресса, то главным организатором освобождения был Hans-Dietrich Genscher (86), бывший министр иностранных дел Германии.



Auch er ist aufgeregt, ja sogar emotional bewegt. "Einen Mann, der so viel gelitten hat, in Freiheit zu sehen, hat mich sehr berührt", sagt Genscher. "Er hat für seine politische Meinung einen sehr hohen Preis bezahlt." Genscher ist froh, dass er helfen konnte.

И он эмоционально взволнован. "Меня глубоко тронуло видеть на свободе человека, который столько страдал", говорит Genscher. "Он заплатил за своё политическое мнение очень высокую цену." Genscher рад, что смог помочь.



Ex-Chefdiplomat Genscher war vermutlich einer der wenigen, die von der Nachricht nicht überrascht worden war. Seit Monaten hatte sich das außenpolitische Schwergewicht in Absprache mit der Bundesregierung für Chodorkowski eingesetzt, sprach sogar zweimal mit Präsident Putin persönlich über die Causa des politischen Gefangenen, bat ihn schließlich um eine Begnadigung "aus humanitären Gründen", da die Mutter Chodorkowskis krank sei.

Бывший главный дипломат Genscher был вероятно одним из немногих, которых эта новость не удивила. Несколько месяцев уже вступался он за Ходорковского, согласовавшись с немецким правительством. Разговаривал два раза с Путиным по этому вопросу, попросил его наконец о помиловании "из гуманитарных соображений (оснований)", потому что мать Ходорковского больна.


 "Er sagte mir später, dass er sich auf dem Flughafen zum ersten Mal richtig frei fühlte", beschreibt der später den Moment, "man kann sich das kaum vorstellen."

"Он сказал мне позже, что в аэропорту он в первый раз почувствовал себя свободным", описывает Genscher позже, "это трудно себе представить."


Genscher bedankte sich ausdrücklich bei den anderen Beteiligten der Operation Chodorkowski. Konkret nannte er Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ex-Außenminister Guido Westerwelle und Ulrich Brandenburg, den deutschen Botschafter in Moskau. Nur gemeinsam hätte man die Freilassung herbeiführen können. Über Präsident Putin sagte er, seine Entscheidung sei "bedeutsam und ermutigend", ausdrücklich "auch für andere Fälle".

Genscher поблагодарил эксплицит других участвовавших в операции Ходорковский. Конкретно он назвал немецкую канцлерин Angela Merkel, бывшего министра иностранных дел Guido Westerwelle и Ulrich Brandenburg, посла Германии в Москве. Только вместе они cмогли вызвать освобождение.


В другом месте :


In seinen Bemühungen sei er von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Ex-Außenminister Guido Westerwelle und dem deutschen Botschafter in Moskau unterstützt worden, erklärte Genscher.

In seiner Eigenschaft als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik habe er Chodorkowski kennengelernt. Dessen Anwälte hätten ihn später gebeten, sie bei ihren Bemühungen um die Freilassung Chodorkowskis zu unterstützen. Er habe dies aus "humanitären Gründen" getan.

Merkel erklärte, Genscher habe sich "hinter den Kulissen intensiv um den Fall gekümmert". Sie begrüße die Freilassung Chodorkowskis aus der Haft.


Он (в своих усилиях добиться освобождения Ходорковского) получил поддержку от немецкой канцлерин Angela Merkel, бывшего министра иностранных дел Guido Westerwelle и
немецкого посла в Москве, сказал Genscher.

Он познакомился с Ходорковским в качестве председателя Немецкого Общества Внешней Политики. Позже адвокаты Ходорковского попросили его помочь им в их усилиях добиться освобождения Ходорковского. Он сделал это "из гуманитарных соображений".

Merkel сказала, Genscher "занимался интенсивно этим вопросом за кулисами". Она приветствует освобождение Ходорковского.




Aus : http://www.morgenpost.de/politik/ausland/article123174386/Michail-Chodorkowski-wohnt-offenbar-im-Berliner-Adlon.html
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Бывший Kanzler Helmut Schmidt (95 !) требует остановить Export оружия Германии.

Не так часто новости вызывают чувство такого удовлетворения. И облегчения.

Несколько лет назад я смотрела вечер по АRТЕ, целиком посвящённый всемирной торговлe оружием и её последствиям. Он вызвал у меня чувство стойкого отвращения к таким странам как Франция, Германия, Англия..  всем, кто на этой торговле зарабатывает. (Конечно на ведущем месте находятся USA и Россия..  Hа третьем Германия.)


Altkanzler Schmidt fordert Stopp deutscher Rüstungsexporte


Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Damit müsse nun endlich Schluss sein, verlangt Helmut Schmidt.



Zu seinem 95. Geburtstag fordert Helmut Schmidt die Bundesregierung auf, die deutschen Rüstungsexporte zu stoppen: "Es ist an der Zeit, Einspruch zu erheben", schreibt der Altkanzler in der ZEIT. Deutschland sei heute der drittgrößte Waffenexporteur und rangiere damit vor China, vor Japan, vor Frankreich und vor England, direkt hinter den USA und Russland. "Eine Entwicklung, die mir sehr missfällt. Und die von der kommenden Koalition in Berlin gestoppt werden muss."

Kleinwaffen, handgehaltene Maschinenpistolen und –gewehre sowie Handgranaten, seien die "Massenvernichtungsmittel der heutigen Zeit", so Schmidt. Er habe Verständnis für die Begünstigung der Waffenexporte durch das Wirtschaftsministerium, halte es aber für geboten, "dass das Auswärtige Amt die Federführung übernimmt und das Wirtschaftsministerium sie abgibt". Schließlich seien Waffenexporte in Wirklichkeit Außenpolitik.

Die Tendenz der Bundesregierung, lieber Waffen zu liefern als Soldaten zu schicken, kann Schmidt nicht unterstützen. Er habe Verständnis für "die Unlust der heutigen Deutschen", Soldaten in fremde Länder zu schicken. "Wir haben in Wirklichkeit niemandem genützt dadurch, dass wir unsere Soldaten nach Afghanistan geschickt und dann dort auch Soldaten verloren haben", so Schmidt: "Aber ich halte es für abwegig, statt Soldaten Waffen zu schicken."



Aus : http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-12/helmut-schmidt-fordert-ende-deutscher-waffenexporte?commentstart=105#cid-3229763

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Ikone der Freiheit


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Nelson Mandela wurde schon zu Lebzeiten zu einer Legende. In seinem Bemühen um friedlichen Ausgleich und Versöhnung war er nur mit Mahatma Gandhi zu vergleichen. Südafrika hat seinen „größten Sohn“ verloren.

Mandela war in den vergangenen Monaten mehrfach wegen Lungenproblemen, die von einer nie ganz ausgeheilten Tuberkulose aus seiner Zeit als Häftling auf Robben Island herrührten, stationär behandelt worden. Seine letzten Wochen hatte der Friedensnobelpreisträger im Kreis seiner Familie verbracht.

Anfang Juni hatte sich sein Zustand derart verschlechtert, dass er auf der Intensivstation eines privaten Krankenhauses in Pretoria behandelt werden musste. Als sein Gesundheitszustand Mitte Juni als „kritisch“ bezeichnet worden war, hatte sich das Krankenhaus in eine regelrechte Wallfahrtsstätte verwandelt, vor der Tausende Südafrikaner Genesungswünsche hinterließen.

Zwar hatten die diversen Krankenhausaufenthalte von Mandela in den vergangenen Monaten und vor allem die letzten öffentlichen Bilder vom April, die einen schwerkranken alten Mann zeigten, die Bevölkerung darauf vorbereitet, bald von ihrer nationalen Ikone Abschied nehmen zu müssen. Dennoch war die Nachricht seines Todes für viele Südafrikaner ein Schock.

Regierungspartei ANC: "Nicht verzweifeln"

Die Führer der Freiheitsbewegung und heutigen Regierungspartei African National Congress (ANC) würdigten Mandela als Giganten. „Er war der Inbegriff von Demut, Gleichheit, Gerechtigkeit, Frieden und der Hoffnung von Millionen, hier und im Ausland“, hieß es in einer von südafrikanischen Medien verbreiteten Erklärung. Der ANC rief die Landsleute auf, nicht zu verzweifeln. „Er lebt in jedem von Euch und in Euren Häusern weiter, weil er sein Leben an uns alle gegeben hat.“

Gleichzeitig aber zeigten sich viele, auch in sozialen Medien wie Facebook und Twitter, erleichtert darüber, dass Mandelas Leiden nun ein Ende gefunden hat. Mehr als 100 Menschen kamen in der Nacht zum Freitag auf der Straße vor Mandelas Haus im Vorort Houghton zusammen, um Lieder zu singen und zu tanzen. Einige brachten ihre Kinder mit.
 

Insbesondere die letzten Bilder von ihm, auf denen ein offensichtlich verwirrter Mandela zusammen mit dem feixenden Präsident Jacob Zuma zu sehen ist, hatten zu einem Sturm der Entrüstung im Land geführt, der in der Forderung gipfelte, Mandela solle in Würde sterben dürfen. Als er Anfang Juni abermals in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, hatte eine Gruppe ehemaliger Mithäftlinge aus Mandelas Zeit auf Robben Island an die Familie appelliert, ihn „endlich gehen zu lassen, damit Gott sich um ihn kümmern kann“. Seit dem 20. Juni wurde Mandela künstlich beatmet, was zu Gerüchten geführt hatte, er werde nur deshalb am Leben gehalten, um einen reibungslosen Verlauf des Besuchs des amerikanischen Präsidenten Barack Obama zu gewährleisten. Obama hatte Südafrika vom 28. Juni bis zum 1. Juli besucht.

Freiheitsikone

Mandela war ein Politiker, der wie kaum ein anderer schon zu Lebzeiten eine Legende geworden war und der in seinem beständigen Bemühen um friedlichen Ausgleich und Versöhnung nur mit dem Inder Mahatma Gandhi zu vergleichen ist. 27 Jahre lang war der Jurist und Freiheitskämpfer unter dem Apartheidregime in Südafrika eingekerkert. 17 Jahre davon verbrachte er auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island in der Bucht von Kapstadt. Anfang 1990 war Mandela nach fast fünf Jahre dauernden Verhandlungen mit dem Apartheidregime über einen friedlichen Machtwechsel und ein Ende der Rassentrennung freigelassen worden. Bei den ersten freien Wahlen in Südafrika im Jahre 1994 wurde Mandela erwartungsgemäß zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Ein Jahr zuvor, 1993, hatte er zusammen mit dem letzten Präsidenten des Apartheidregimes, Frederik de Klerk, den Friedensnobelpreis erhalten.

Dabei hatte sich Südafrika in der Zeit der Verhandlungen zwischen der Befreiungsbewegung ANC und der Apartheidregierung am Rande eines Bürgerkrieges gewähnt. Dass es nicht dazu kam, war zwar nicht alleine Mandelas Verdienst, sondern auch das der Repräsentanten des alten Regimes wie eben de Klerk. Gleichwohl war es Mandelas glaubwürdige Versicherung, nach einem halben Leben in Gefangenschaft seinen Peinigern zu vergeben, die die gesamte Nation beeindruckte. Noch am Tag seiner Freilassung, dem 11. Februar 1990, forderte er „alle, die die Apartheid aufgegeben haben“ zur „Mitarbeit in einem neuen Südafrika“ auf.

De Klerk: Zusammenarbeit mit Mandela "eine Ehre"

Nach Mandelas Tod sagte de Klerk, er habe die Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Nationalhelden als Auszeichnung empfunden. Es sei eine Ehre für ihn gewesen, gemeinsam mit Mandela auf die ersten demokratischen Wahlen in dem Land im Jahr 1994 hinzuarbeiten. „Auch wenn wir politische Rivalen waren und unser Verhältnis häufig hitzig war, wir waren immer in der Lage, in kritischen Momenten zueinanderzufinden, um die vielen Krisen zu lösen, die bei dem Verhandlungsprozess entstanden.“

Nach seinem Wahlsieg war Mandela so klug, die laufenden Geschäfte den Jüngeren zu überlassen, namentlich Thabo Mbeki, der bis zu den Wahlen 1999 mit de Klerk zusammen das Amt des Ministerpräsidenten ausübte und Mandela als Präsident nachfolgte.

Trotz des hohen Ansehens, das Mandela national wie international besaß, war er innerhalb des ANC nicht unumstritten. Speziell die radikaleren Elemente waren enttäuscht von der ihrer Meinung nach zu langsamen Verbesserung ihrer sozialen Lage. Mandela und sein Nachfolger Mbeki wurden indes nicht müde, vor radikalen Schritten zu warnen, weil diese zu Kapitalflucht und dem wirtschaftlichen Niedergang Südafrikas geführt hätten.

Politisch war Mandela seit vielen Jahren nicht mehr aktiv. Obgleich ihm immer noch eine bedeutende Rolle innerhalb des ANC zugesprochen wurde, verblasste diese spätestens nach seiner Videobotschaft auf dem ANC-Parteitag in Polokwane im Dezember 2007, wo es zu einem bitteren Machtkampf zwischen dem damaligen ANC-Präsidenten Thabo Mbeki und seinem Rivalen Jacob Zuma gekommen war. Mandela forderte Zusammenhalt, unterließ es aber, eine Empfehlung für einen der beiden auszusprechen.

Obwohl dies von offizieller Seite stets bestritten wurde, hatte sich Mandelas körperliche Verfassung seither drastisch verschlechtert. Nach einer abermaligen Lungenentzündung im März dieses Jahres hatten seine Ärzte der Familie geraten, ihn nicht mehr nach Qunu in der Provinz Eastern Cape zu bringen, wo Mandela seinen Alterssitz hat, sondern in der Nähe der Krankenhäuser von Johannesburg und Pretoria zu bleiben. Der letzte öffentliche Auftritt Mandelas liegt drei Jahre zurück, damals war er bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika noch einmal in Erscheinung getreten.

Dreimal verheiratet

Nelson Mandela wurde am 18. Juli 1918 im Dorf Mvezo in der Nähe von Umtata, der Hauptstadt der Transkei, geboren. Sein Vater Henry Gadla war 1918 ein vermögender Mann, der fünf Frauen und 13 Kinder zu versorgen hatte. Mandela war der jüngste der vier Söhne und der erste Sohn der dritten Frau. Ihm wurde bei der Geburt der Name Rolihlala gegeben, was man höflich mit „einen Ast vom Baum brechen“ übersetzen kann. Weniger höflich formuliert bedeutet Rolihlala: „Einer, der Ärger macht“. Der britische Vorname Nelson wurde ihm erst von einer Lehrerin in der Grundschule von Qunu gegeben.

Mandela sah sich selbst als Spross der Thembu-Häuptlinge, die Mitglieder des so genannten „Hauses Linker Hand“ von König Ngubencuka, der um 1830 in der Transkei einer vereinigten Thembu-Gemeinschaft vorstand. Die Thembu des „Hauses Linker Hand“ waren traditionell Berater der Xhosa-Könige. Mandela selbst regte an, seinen Vater deshalb als eine Art Premierminister zu betrachten. In Wahrheit war Henry Gadla Ortsvorsteher von Mvezo, ein Posten, den er der weißen Verwaltung von Transkei zu verdanken hatte. Der Rufname „Madiba“, wie Mandela in den letzten Jahren genannt wurde, hat einen stammesgeschichtlichen Hintergrund. Mandelas Vater gehörte innerhalb der Thembu zum Madiba-Clan, der nach einem Thembu-Häuptling im 18. Jahrhundert benannt ist.

Nelson Mandela war dreimal verheiratet. Aus zwei dieser Ehen stammen sechs Kinder. Seine erste Ehe mit Evelyn Ntoko Mase wurde 1957 nach 13 Jahren geschieden. Evelyn Ntoko Mase starb 2004. Das Paar hatte vier Kinder, von denen nur noch eine Tochter, Makaziwe, am Leben ist. Eine andere Tochter, die ebenfalls Makaziwe hieß, starb im Säuglingsalter. Nelson Mandelas erster Sohn Madiba Thembekili kam 1969 bei einem Autounfall ums Leben, wobei sich bis heute Gerüchte halten, der südafrikanische Inlandsgeheimdienst sei an seinem Ableben nicht ganz unschuldig. Der zweite Sohn Makgatho starb 2005 an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids.

Nach 38 Jahren Ehe trennte sich Mandela aufgrund politischer Belastungen 1992 von seiner zweiten Frau Winnie Madikizela. Die Ehe wurde 1996 offiziell geschieden. Mit ihr hatte er zwei Töchter, Zindzi und Zeni. An seinem 80. Geburtstag, am 18. Juli 1998, heiratete Mandela die Witwe Samora Machels, Graça. Der ehemalige moçambiquanische Präsidente und ANC-Unterstützer war 15 Jahre zuvor bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen, dessen Umstände bis heute nicht geklärt sind.



Aus : http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/nelson-mandela-ist-tot-ikone-der-freiheit-12242008.html
 

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Ein Ökonom und Gentleman

Er sah die Krise voraus, weil er die Gefühle der Menschen ernst nimmt. Jetzt erhält er den Nobelpreis. von 


Fast fünf Jahre ist es jetzt her. Im Januar 2009 tagte das World Economic Forum in Davos, die Finanzkrise war auf dem Höhepunkt. Robert Shiller war ein Star, weil er, der Ökonom von der Yale-Universität in Neuengland, die Krise vorhergesagt hatte. Doch leicht hatte er es deswegen nicht. Der andere umjubelte Forscher des Treffens war nämlich Nouriel Roubini aus New York, der das Chaos ebenfalls erwartet hatte. Und man musste keine übersinnlichen Fähigkeiten haben, um zu begreifen: Die beiden Männer können sich nicht leiden.

Bei einer Abendveranstaltung in einem Hotel oberhalb des Tales trafen sie schließlich aufeinander. Roubini war wie immer, arrogant und brillant, offensiv und verletzend. Leichthin erklärte er, wie die Fehler von Politikern, Bankern und Bürgern zwangsläufig zur Krise führen mussten. Und dann kam es: Um das zu erkennen, sagte Roubini, müsse man nicht auf Gefühle und Verhaltenstheorien zurückgreifen – simple Marktdaten reichten da vollkommen aus.

"Gefühle und Verhaltenstheorien" sind aber in der Finanztheorie mit niemandem so eng verknüpft wie mit Robert Shiller. Schon in den neunziger Jahren hatte er in einem Buch vor dem irrationalen Überschwang an der Börse gewarnt. Und den gleichen ebenso ansteckenden wie übertriebenen Optimismus sah er vor der Finanzkrise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt, von dem das Desaster dann ausging. Wie also würde Shiller reagieren, dieser leise und scheue Mann im Tweed-Jackett, mit vollem grauen Haar und den klassischen Gesichtszügen der Ostküsten-Aristokratie?

Wer Ärger mit Shiller sucht, der kann ihn haben

Wie schon so oft lächelte er auch jetzt verlegen, als er sich zur Antwort erhob, und beim Reden senkte er den Kopf. Doch sein Vortrag ließ es nicht an Klarheit fehlen. Shiller zeigte, wie unklar die Daten in Wahrheit gewesen waren. So hätten Länder mit sehr unterschiedlichen Zinshöhen gleich große Immobilienblasen gehabt. Nein, ohne die besondere Psychologie des Booms könne man die Krise nicht erklären. Nach und nach nahm er leise, aber unerbittlich die Argumente des Vorredners auseinander und ließ dabei Klassiker der Ökonomie ebenso elegant einfließen wie seinen Lieblingssoziologen Max Weber. Am Ende war klar: Wer Ärger mit Shiller sucht, dem notorischen Vielleser und Vielwisser, der kann ihn haben.
 

Seit damals ist sein Ruf nur noch gewachsen, am meisten am vergangenen Montag, als er den Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaft zugesprochen bekam. Robert Shiller, 67, Professor und Finanzunternehmer, New York Times-Kolumnist und Reformer, ist auf dem Ökonomiegipfel angekommen. Wie einst der Brite John Maynard Keynes personifiziert er heute die Hoffnung darauf, dass Nationen die Gefahr von Krisen früh erkennen, das Chaos vermeiden oder jedenfalls wirksam bekämpfen können. Doch wie kam er dahin, und was dürfen wir dem Ökonomen mit dem Sinn fürs Psychologische wirklich zutrauen?

Mit 20 Jahren weiß der Student Robert Shiller immer noch nicht, wohin er steuern soll. Shiller liest alles, was ihm in die Finger kommt, kennt immer schon die Gegenargumente zu dem, worauf er sich gerade einlässt. Was also studieren? Naturwissenschaften oder Psychologie? Um nachzudenken, geht er wandern. So weit, dass er sich eine Fußverletzung zuzieht, wie sie Soldaten in der Grundausbildung manchmal bekommen. Schließlich entscheidet er sich für Wirtschaft. "Wenn man Mathe liebt und nah an den Menschen sein will wie ich, geht man in die Ökonomie", sagt er. Gut für die Ökonomie, ein Fach, das dringend erweitert werden muss.

In den sechziger Jahren steht die mathematische Theorie im Vordergrund, und das heißt: Modelle einer rationalen Idealwelt, die in sich wunderbar funktionieren, aber fern der Realität stehen. Der Siegeszug der Rationalisten wird anhalten, aber die Gegenbewegung bahnt sich an. Erste Forscher fragen, wie die Menschen sich wirklich verhalten und ob ihr beobachtbares Tun die Wirklichkeit nicht besser erklärt als die alten Modelle. Ja, wird der Jungforscher Shiller bald sagen: An der Börse geht es nicht vernunftgestützt zu, die Kurse bewegen sich viel mehr, als es eine ruhige, rationale Betrachtung zuließe.
 

Später zeigt er, dass es Phasen gibt, in denen sich das Irrationale besonders stark Bahn bricht. Im Boom kommt es zur massenhaften Ansteckung: Anleger, die vor Kurzem noch mit drei Prozent Rendite zufrieden waren, halten nun 30 Prozent für normal. Das Risiko wird ausgeblendet oder wegerklärt. Solche Prozesse haben andere auch schon beschrieben, aber Shiller untermauert sie mit neuen Daten, selbst entwickelten Kennzahlen für die Überhitzung von Aktien- oder Immobilienpreisen und einer detaillierten Kenntnis davon, wie es an Finanzmärkten wirklich zugeht. Keiner ist besser ausgestattet, um Blasen zu erkennen. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass er die Börsenkrise von 2000 und die Weltfinanzkrise von 2008 in Umrissen kommen sieht. Er ist der Erste, der zugibt, dass man nicht genau weiß, wann und wie das Chaos Gestalt annimmt, aber so pralle Blasen wie damals müssen irgendwann platzen.

Seit Jahren war er ein Nobelpreis-Favorit. Als das, was alle erwarteten, vergangenen Montag eintritt, ist er nicht vorbereitet. In der ersten Stellungnahme sagt er, das mit dem Preis könne er gar nicht glauben. Unfug, er wurde oft genug darauf angesprochen. Der Anruf kommt im Morgengrauen, Shiller wollte gerade zu einer Reise nach Arizona aufbrechen, um seinen Aktienpreis-Index gegen einen lautstarken Kritiker zu verteidigen. Er sagt die Reise ab und weckt seine Frau. Neulich hat er sie aus einem anderen Grund geweckt, und sie war sauer. Diesmal sagt sie, das sei jetzt schon eher ein Grund.

Seine Frau Virginia ist wichtig für ihn. In fast 40 Jahren Ehe hat die Psychologin ihn nachhaltig beeinflusst – eine ebenso freundliche wie sachliche Frau, die auf Empfängen und Partys selbstgewisser auftritt als ihr Mann und anregende Gespräche garantiert. Mit ihr hat er darüber geschrieben, dass die Wirtschaftswissenschaft sich der Realität annähern müsse, immer wieder kommt er im Interview auf sie zurück.

In der gemeinsamen Zeit hat es sich für ihn herauskristallisiert: "Wir brauchen ein Modell darüber, wie Volkswirtschaften in Krisen geraten." Sonst ist Ökonomie nur eine Wissenschaft für die normalen Zeiten, nicht für die, in denen es wirklich zählt. Dafür aber muss man nicht nur auf die Ratio schauen, sondern auch aufs Gefühl. Das menschliche Element könne man aus den Finanzmärkten nicht einfach wegdefinieren, sagt Shiller. Deshalb sei es genauso unmöglich, Kurse genau vorherzusagen, wie das Verhalten eines Menschen zu prognostizieren. Man brauche daher die Demut, sich einzugestehen, dass auch die besten Forscher die Bewegungen auf den Märkten nie ganz verstehen werden.

Stört es ihn da nicht, dass er den Preis gemeinsam mit zwei Männern aus Chicago erhält, die aus denselben Daten andere Schlüsse ziehen? Einer von ihnen, Eugene Fama, hat die Idee vom rationalen Finanzmarkt, der neue Informationen schnellstens in die Kurse aufnimmt, erst zur Theorie und dann zum Mantra erhoben. Und genau diese Idee hat Shiller als "den größten Irrtum der Geschichte ökonomischen Denkens" bezeichnet, weil sie zur Grundlage für die Deregulierung wurde, die zur Krise beitrug.

Shiller bleibt vornehm bei der Frage, um dann aber, wie es seine Art ist, doch einen Nadelstich zu setzen. Weil nach Famas Ansatz die Kurse schon alle relevanten Neuigkeiten beinhalten, kann in seiner Welt eigentlich niemand besser sein als der Markt. Doch genau das gelinge Fama mit seiner eigenen Finanzfirma, die für andere Geld anlegt. Für die Leistung zollt ihm Shiller, dessen eigene Firma MacroMarkets zuletzt wenig Erfolg hatte, "großen Respekt", aber damit widerlege sich der Kollege ja auch selbst.

Abgesehen davon, eint die Männer mehr, als auf den ersten Blick offenbar wird. Beide, man muss es so sagen, lieben Finanzmärkte und wollen, dass sie im Sinne der Menschen funktionieren. Genau dafür entwickelt der Unternehmer Shiller Lösungen – nicht mit Verboten, sondern mit neuen Finanzprodukten und anderen innovativen Ideen. "Ich bin ein Marktdesigner", sagt er. Auf vielen Finanzmärkten reicht es demnach nicht, wenn einfach Anbieter und Nachfrager aufeinandertreffen, weil die eine Seite die andere ausnutzt oder beide keine vorteilhaften Geschäfte machen. Solche Märkte brauchen nicht bloß gesetzliche Grenzen, sondern Erfindungsreichtum von Leuten wie ihm. Neue Kennzahlen und mehr.

Schon früh forderte Shiller besondere Staatsanleihen, deren Zins mit der Inflation schwankt, damit sich die Bürger gegen die Geldentwertung versichern können. Heute gibt es sie in Maßen. Hausbesitzer sollten sich gegen Preisstürze für ihre Immobilien versichern können, fand er. Auch dieses Angebot gibt es heute an der Börse in Chicago, wenngleich es bisher kaum einer nachfragt.

Doch Shillers Versuch, innovative Lösungen anzubieten, geht weit über Finanzmärkte hinaus. Das vielleicht größte Problem ist für ihn die immense Ungleichheit. Die könne noch Jahrzehnte weiter wachsen, fürchtet er, weil mit dem Siegeszug des Computers normale Arbeiter weniger und weniger Geld verdienen können. Schon länger propagiert Shiller eine Lösung dafür: Die Einkommensteuer wird demnach an die Verteilung von Einkommen gekoppelt. Nimmt die Ungleichheit zu, steigen die Steuersätze für die Wohlhabenden, die sogenannte Progression wächst dann also automatisch. Könnte das nicht die Linken und die Rechten in Amerika vereinen? Bisher nur eine Idee.

Der Ökonom bewundert Ingenieure – und will selbst einer sein

Shiller macht unverdrossen weiter als Entwickler, der den Kapitalismus nicht eindämmen, sondern mit seinen eigenen Mitteln besser machen will. Erst bringt er mit seinen Kennzahlen überhaupt Licht ins Dunkel der Realität. Dann denkt er sich Automatismen für gute und schlechte Zeiten aus, damit einzelne Marktteilnehmer genauso wie die Gesellschaft insgesamt ihre Risiken besser handhaben können.

Robert Shiller, dessen Vater selbst mit Erfindungen kleine Patente errang, hält Ingenieure generell für unterschätzt. "Ich bewundere sie", sagt er schlicht. "Das Ingenieurwesen bekommt nicht genug Respekt, auch nicht in der Ökonomie." Fast aller Aufwand gelte der Erklärung dessen, was gerade abläuft – und nicht der Entwicklung anderer Lösungen. Neues vorzuschlagen wirke heute auf viele unrealistisch oder fadenscheinig, versucht er das Phänomen zu erklären. Lieber werde alles als gegeben hingenommen.

Den Fehler will er nicht begehen, nie. So wie er damals nicht die Grenzen einer akademischen Disziplin akzeptieren wollte. So wie er sich keiner Ideologie zugehörig fühlt. "Das hat mich schon in der Sonntagsschule in Schwierigkeiten gebracht", erzählt er. Der kleine Robert wollte nicht glauben, was ihm der Pfarrer erzählte. Der große sagt, er bewundere John Maynard Keynes, der staatliche Eingriffe in die Wirtschaft hoffähig machte – und genauso seinen großen neoliberalen Widersacher Milton Friedman. Beider Lehren müsse man mit Vorsicht genießen.

Politik wäre nichts für ihn, sagt seine Frau manchmal. Sie stellt sich vor, ihr Mann müsste eine Regierungsposition auf einer Pressekonferenz vertreten – undenkbar. Unabhängig, skeptisch, neugierig: "Ich bin irgendwie gar nichts", sagt er zum Abschluss am Morgen nach seinem großen Tag, und es klingt, als sei das schwer, aber auch so, als gefalle es ihm.



Aus : http://www.zeit.de/2013/43/wirtschaftsnobelpreis-oekonom-robert-shiller/seite-1

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