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Der harmonisch in sich ruhende Zentralbau, der nicht "gerichtet" ist, der nicht erst im Durchschreiten, also in Bewegung erlebbar ist, darf als das "Leitmotiv" der Architektur um 1500 bezeichnet werden. 1506 übernimmt Bramante die Leitung des Neubaues von St. Peter. Auch die Hauptkirche der Christenheit wird nun als reiner Zentralbau angelegt, entsprechend der Grösse der Aufgabe als ein reich organisiertes Gebilde, dessen Vielfalt an Raumkompartimenten vom Grundriss her im Quadrat zusammengefasst wird...

Die Harmonie der Kräfte, die vollkommene Ausgewogenheit in der Zueinanderordnung der Teile, die Logik der organischen Durchgliederung beherrschen nur für eine kurze Zeitspanne die Architektur. Bereits seit etwa 1520 wird die Gesetzmässigkeit der Hochrenaissance infrage gestellt. Die Rebellion gegen ihre Ideal überhöhte Welt beginnt im Ausstrahlungsbereich jener Künstler, die die Entwicklung auf ihren "klassischen" Gipfel geführt hatten. Vor allem ist es Michelangelo, der den Ausgleich zwischen Ruhe und Bewegung zugunsten einer Dynamisierung der Architekturglieder überwindet, den traditionellen Dialog zwischen Fläche und Gliederungselementen ausser Kraft  setzt und die Eindeutigkeit der begrenzenden Wand aufhebt.

                                                                                                                                                                                                                 Aus "Renaissance" von M. Wundram

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