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Viele Gliedstaaten preschen in der Klimapolitik voraus


Selbst Texas hat erkannt, woher der Wind weht


Sogar in konservativen Staaten ist die erneuerbare Energie auf dem Vormarsch. Und das meist ohne jeden staatlichen Auftrag.


Die Ankündigung Präsident Trumps, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, scheint Politiker auf der Ebene der Gliedstaaten und der Städte elektrisiert zu haben. Drei Gouverneure, 68 Bürgermeister und mehr als 80 Rektoren von Hochschulen haben sich mit einer Gruppe solidarisiert, die, wie der frühere Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, gegenüber der «Washington Post» angegeben hat, versuchen will, die Rolle der USA im Klimaabkommen zu übernehmen.
 
Klimapolitik an der Hintertür
 
Formal ist das natürlich nicht möglich, weil nur Staaten am Pariser Abkommen teilnehmen können. Doch die Mitglieder dieser Koalition könnten anstelle der Vereinigten Staaten die Leistungen beim Abbau des Treibhausgasausstosses in ihrem Einflussbereich an die Uno-Klimabehörde (UNFCCC) melden und damit auf informelle Art sicherstellen, dass die amerikanischen Zusagen von 2015 – bis zum Jahr 2025 nämlich 26 bis 28 Prozent weniger Treibhausgasausstoss als 2005 – trotz dem Abseitsstehen der Bundesregierung erfüllt werden.
 
Federführend in der Koalition, die sich den Namen «United States Climate Alliance» gegeben hat, sind die Gliedstaaten Kalifornien, New York und Washington. Sie stellen mit 68 Millionen Einwohnern nicht nur fast einen Fünftel der Bevölkerung der USA, sondern erwirtschaften auch mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts und produzieren mehr als 10 Prozent der Treibhausgase des Landes.
 
Kalifornien ist seit langem die Speerspitze des Kampfs gegen den Klimawandel. Gouverneur Jerry Brown gehört längst zu den wichtigen Spielern auf der internationalen Bühne. Die «Los Angeles Times» gab ihm bereits den Titel des informellen Klimabotschafters der Vereinigten Staaten. Am Freitag brach er beispielsweise zu Klimagesprächen in China auf. Intern war Kalifornien seiner Zeit bereits vor zehn Jahren voraus, als der Staat Klimaziele definierte und internationale Abkommen schloss – notabene ohne Hilfe aus Washington. Andere Gliedstaaten wie New York oder Illinois sind dem Beispiel des Golden State auf dem Gebiet von Klimazielen gefolgt, ebenso Städte wie New York oder Chicago.
 
Hinter diesen Aktivitäten stehen meistens demokratische Politiker, aber nicht immer. So hat der republikanische Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, im Dezember einen neuen Energieplan in Kraft gesetzt, der unter anderem die Stilllegung von Kohlekraftwerken und einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien vorschreibt. Laut der nationalen Konferenz der Gliedstaaten-Parlamente (NCSL) haben bereits 29 Staaten Vorschriften erlassen, welche den Elektrizitätsverteilern vorschreiben, einen gewissen Prozentsatz oder eine gewisse Menge an erneuerbarer Energie in ihr Angebot aufzunehmen.
 
Unter den vielfältigen Aktivitäten, die in die Zukunft weisen, statt wie Trump der Kohlewirtschaft nachzutrauern, verstecken sich auch einige unerwartete Pioniere. Wie das «Wall Street Journal» berichtete, hat sich das sonst so konservative Texas ohne jeglichen gesetzlichen Auftrag bei der Produktion erneuerbarer Energie in eine Führungsposition vorgearbeitet. Der «Lone Star State» produzierte 2016 über 12 Prozent seines Stroms mit Wind.
 
Laut der amerikanischen Vereinigung für Windenergie liegt der entsprechende Anteil landesweit zwar erst bei 5,5 Prozent. Doch in Iowa, dem Spitzenreiter unter den Gliedstaaten, steht dieser Wert bei über 36 Prozent. Weitere Spitzenpositionen halten South Dakota (über 30 Prozent), Kansas (knapp unter 30 Prozent) und Oklahoma (rund ein Viertel). Dazu kommt, dass die Windturbinen, mittlerweile mehr als 50 000 Stück in den USA, mehrheitlich in ländlichen Gebieten aktiv sind, was alleine 2016 einen Investitionsschub von mehr als 12 Milliarden Dollar in Gegenden auslöste, die das besonders nötig haben.
 
Wie rückwärtsgewandt Trumps Begründung für den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen war, zeigte sein Bezug auf Pittsburgh, die ehemalige Stahlstadt (Steel City) der USA. Trump wollte diese Legende mit dem Verweis wiedererwecken, er sei gewählt worden, um die Bewohner von Pittsburgh zu vertreten, nicht jene von Paris. Wie die «Washington Post» genüsslich ausbreitete, besuchte Trump Pittsburgh im vergangenen Jahr mindestens dreimal. Offenbar blieb ihm dabei verborgen, dass nicht mehr Rauchschwaden aus Schornsteinen durch die Strassen wehen, sondern allenfalls exotische Gerüche aus schicken Restaurants.
 
Hightech statt Schwerindustrie
 
Trump wollte wohl zu den Arbeitern sprechen, die nach der Schliessung der Kohlegruben und Stahlhütten am Monongahela-Fluss ihre Arbeit verloren. Doch solche gibt es in Pittsburgh kaum noch; dafür arbeiten Zehntausende in gut bezahlten Stellen in der Forschung, der Hightech- oder der Gesundheitsbranche. Pittsburghs Bürgermeister Bill Peduto, der im Frühling dank seiner Fundamentalopposition zu Trump mit 70 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden war, lehnte noch am Donnerstagabend die Erwähnung seiner Stadt durch den Präsidenten dankend ab. Pittsburgh, sagte Peduto, stimme Trumps Initiativen keineswegs zu, sondern stemme sich vehement gegen diese.
 
 
 

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Baustelle 3: Die „Russland-Affäre“





Nahezu jeden Tag werden in amerikanischen Medien neue Details veröffentlicht, die dem Vorwurf, wonach es geheime Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland gegeben haben soll, neue Nahrung geben. Unstrittige Beweise sind bisher nicht dabei, doch die Informationen sind heiß genug, um das Thema weiter vor sich hin brodeln zu lassen. Nicht nur diverse Kongressausschüsse untersuchen die Anschuldigungen, auch das FBI und der erst kürzlich ernannte Sonderermittler Robert Mueller haben jede Menge Fragen.

Nachdem sich das Hauptaugenmerk von Beobachtern und Ermittlern in den letzten Wochen vor allem auf den im Februar aus dem Amt geschiedenen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn richtete, gerät nun auch Trump-Schwiegersohn und Chefberater Jared Kushner immer stärker in den Fokus. Berichten zufolge hält das FBI Kushner für eine „Person von Interesse“, wenn auch nicht zwangsläufig für verdächtig. Vor allem Kushners Treffen mit einem russischen Banker sowie dem russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, sollen genauer untersucht werden.

Am Freitagabend meldete die „Washington Post“ dann, dass Kushner Kisljak sogar vorgeschlagen haben soll, einen geheimen Gesprächskanal, einen sogenannten „back channel“, zum Kreml aufzubauen. Das gehe aus Aufzeichnungen Kisljaks hervor, die der Botschafter, vom Vorstoß Kushners angeblich selbst ganz verblüfft, seiner Regierung übermittelt haben soll. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unterdessen auch von weiteren, bisher verschwiegenen Gesprächen zwischen Kushner und Kisljak.

Um diesen und anderen Vorwürfen besser entgegentreten zu können, erwägt das Weiße Haus nun offenbar sogar die Einrichtung eines sogenannten „war room“. In dieser Einsatzzentrale soll eine Handvoll ranghoher Mitarbeiter mit Blick auf die angebliche „Russland-Affäre“ in Zukunft schnell und effektiv reagieren können, um die Schlacht um die Deutungshoheit im Sinne Trumps zu entscheiden.

Rund um die zentralen Figuren Kushner und Chefstratege Stephen Bannon werde für diese Aufgabe bereits ein schlagkräftiges Team rekrutiert, berichten Mitarbeiter. Sogar ein früherer Trump-Mitarbeiter werde reaktiviert: Hitzkopf Corey Lewandowski, im Juni letzten Jahres nach einigen fragwürdigen Aktionen als Wahlkampfmanager gefeuert, soll zurück an Bord kommen.


Quelle. 

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Nach Comey-RauswurfAmtierender FBI-Direktor widerspricht Trump


Kein Rückhalt in der eigenen Behörde, so begründet Trump den brisanten Rauswurf des FBI-Chefs, der gerade zu den Beziehungen des Trump-Teams zu Russland ermittelt. Doch von Comeys kommissarischem Nachfolger kommt prompt Widerspruch.




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Der entlassene FBI-Chef James Comey hat nach den Worten seines kommissarischen Nachfolgers Andrew McCabe große Unterstützung in der Behörde genossen. Die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter habe eine positive Beziehung zu Comey gehabt, sagte McCabe am Donnerstag vor dem Geheimdienstausschuss des Senats der Vereinigten Staaten in Washington.

Er widersprach damit der Darstellung des Weißen Hauses, Comey habe innerhalb der Behörde die Unterstützung verloren. Das wurde mit als Begründung für die Entlassung Comeys durch Präsident Donald Trump genannt. Daneben wurde als Grund Comeys Umgang mit der E-Mail-Affäre der früheren Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton angegeben. Comey war während des Wahlkampfs mit Informationen zur Untersuchung des regelwidrigen Umgangs der Ex-Außenministerin mit ihren dienstlichen Mails an die Öffentlichkeit gegangen. Die Demokraten halten die offizielle Begründung für die Entlassung des FBI-Chefs für unglaubwürdig.

 

McCabe: Kein Einfluss auf Russland-Untersuchungen

Comeys Entlassung soll nach Angaben McCabes keinerlei Auswirkungen auf die Ermittlungen der Bundespolizei zur Russland-Affäre haben. „Die Arbeit geht weiter, unabhängig davon, wie sich die Umstände verändert haben mögen“, sagte McCabe.
 

Der überraschende Rauswurf Comeys durch Präsident Donald Trump hat bei den oppositionellen Demokraten und anderen Trump-Kritikerin Besorgnisse ausgelöst, dass die Untersuchungen des FBI zu den mutmaßlichen russischen Hackerangriffen während des amerikanischen Wahlkampfs und möglichen illegalen Verbindungen von Trump-Mitarbeitern nach Moskau eingedämmt werden sollen.

Noch kein Comey-Nachfolger von Trump benannt

„Sie können die Männer und Frauen des FBI nicht daran hindern, das Richtige zu tun“, sagte McCabe dazu. Es habe keine Versuche gegeben, „unsere Untersuchung zu behindern“. McCabe war bislang Comeys Stellvertreter und hat die Leitung der Bundespolizei provisorisch übernommen. Einen Kandidaten für die Nachfolge Comeys hat Trump bislang noch nicht benannt.

McCabe wurde in der Anhörung auch gefragt, ob er es unterlassen werde, das Weiße Haus über den Stand der Ermittlung auf dem Laufenden zu halten. Das bejahte er.

Nicht äußern wollte er sich dagegen zu der Darstellung Trumps, Comey habe ihm drei Mal persönlich gesagt, dass nicht gegen ihn selbst ermittelt werde. Er kommentiere Gespräche zwischen dem Präsidenten und Comey nicht, sagte McCabe.

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Solon

Apr. 29th, 2017 09:20 am
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Интересной исторической фигурой был Солон (640 до н. э.— 559 до н. э.). Он был назначен Тем-который-приводит-государство-в-равновесие и провёл, занимая этот пост, ряд важных реформ в древних Афинах. 
 
В русской Википедии стоит: 
 
"Первой его реформой была сисахфия, которую он считал своей главной заслугой. Отменялись все долги, освобождались из рабского статуса кабальные должники и запрещалось долговое рабство. Сисахфия должна была значительно облегчить социальную напряжённость и улучшить экономическое положение государства."
 
В то время жители Афин не были защищены законом (друг от друга), и афинские дворяне, по мере того, как греки путём колонизации открывали для себя всё новые горизонты и таким образом их запросы всё больше росли, стали всё чаще прибегать к "незаконному" обогащению себя за счёт афинских крестьян. Крестьянам приходилось закладывать свою землю и если они и дальше не могли выплатить свои долги, они (и их семьи) в конце концов становились рабами. 
 
Так как это проходило в широких масштабах, социальная напряжённость в Афинах росла. (Не только в Афинах, подобное происходило по всей Греции. В Афины это развитие пришло с некоторым опозданием, что позволило жителям Афин понять, что ничего не меняя они окажутся на грани гражданской войны - состояния, которое они наблюдали у соседей.)
 
Солон отменил все долги и тем самым освободил крестьян. Мало того, он выкупил всех крестьян, уже проданных в рабство (по всей Греции). Финансовые средства на это были получены/взяты у богатых жителей Афин, афинских дворян. 
 
Его реформы конечно не ограничились этим. Кроме прочего, он внедрил в Афинах законы. Интересно, что по окончанию своих реформ он не воспользовался своим положением, чтобы стать тираном, а покинул Афины и 10 лет путешествовал. 

Sally Yates

Feb. 3rd, 2017 04:09 pm
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Герои нашего времени. 
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... Weiterhin besagt der Entscheid, dass Trumps Dekret in Teilen eingefroren ist, bis weitere Einzelheiten geklärt sind. Der Gerichtsentscheid legt nahe, dass das Dekret höchstwahrscheinlich gegen die Verfassung verstößt. Die Klärung soll wahrscheinlich im Februar erfolgen. Die Richterin Ann Donnelly wies die Regierung in Washington zudem an, eine Liste aller festgehaltenen Personen zu veröffentlichen. Es dürfte sich um etwa 200 Menschen handeln. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht auf den Entscheid.

... 

Trudeau und May distanzieren sich

Zuvor hatten sich die Regierungen Großbritanniens und Kanadas von der Entscheidung des US-Präsidenten distanziert. Das Büro der britischen Premierministerin Theresa May erklärte, die Einwanderungspolitik der USA sei zwar allein deren Sache. "Aber wir sind mit diesem Ansatz nicht einverstanden, und es ist keiner, den wir verfolgen werden." 

Die Anordnung Trumps werde nun auf ihre Bedeutung und juristischen Folgen geprüft. "Wenn es irgendwelche Konsequenzen für britische Staatsangehörige haben sollte, dann werden wir natürlich bei der US-Regierung Einspruch dagegen erheben", hieß es in der Stellungnahme.

 
Aus : Die Zeit vom 29.01.2017. 

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... Der Brite Raab hat recht; es gilt, konservative und rechtsnationale Strömungen auseinanderzuhalten. Doch wie können Letztere eingedämmt werden?
Da gehen die Meinungen am WEF auseinander:
Gewisse sind überzeugt, konservative Kräfte müssten sich ganz klar von den rechtsnationalen abgrenzen; in diesem Kontext machte das historisch aufgeladene Wort der «Kollaboration» die Runde.
Andere wieder glauben, eine stärkere Umverteilung der Globalisierungsgewinne würde den Demagogen den Wind aus den Segeln nehmen.

Immer wieder hört man zudem das etwas verzweifelt klingende Credo, man müsse die Menschen ernst nehmen, welche Populisten wählten. Hier schwingt mit, dass das vorher nicht getan worden sei, was am Ende die jüngsten Protestwahlen gerade legitimiere.
Offenbar hört man erst jetzt in Davos die Sorgen des verunsicherten Mittelstands.
In einem gewissen Sinne können also die jüngsten Entwicklungen positiv gelesen werden, haben sie schließlich das Funktionieren der Demokratie gezeigt – doch gerade demokratische Strukturen könnten am Ende in Gefahr geraten.

Quelle.


Ray Dalio, Lawrence Summers und Christine Lagarde am WEF

«Populisten haben eine Vision – die Europäer nicht»


... Der Mittelstand in den entwickelten Ländern ist verunsichert und bringt die Länder in eine Krise. Eine verunsicherte Bevölkerung sagt zu schnell und zu oft Nein.

... Auch Summers sieht ein neues Zeitalter des Nationalismus angebrochen. Präsident Trump musste drei oder vier Telefonate machen, und schon investieren Unternehmen nicht mehr in Mexiko, sondern im Herzen der Vereinigten Staaten. Dies hat für Zehntausende von Menschen starke Auswirkungen. Summers sagt, die kurzfristigen positiven Auswirkungen würden durch langfristige schlechte Auswirkungen abgelöst. Doch der Populismus funktioniere überall auf der Welt gleich. Der Populist mache dem Mittelstand ein vermeintliches Geschenk oder wolle ihm helfen, aber am Ende sei es der Mittelstand, der die Zeche bezahlen muss.

Christine Lagarde sieht die Globalisierung noch immer als Königsweg. Zu sagen, dass Globalisierung schlecht sei, da sie vermeintlich Arbeitsplätze vernichte, sei zu wenig. Man müsse mehr forschen und nachdenken. Doch ohne Globalisierung sei es für die vielen Menschen auf der Welt, die noch um das tägliche Überleben kämpfen, nicht möglich, sich aus der Armut zu befreien. Dies bestätigt auch Padoan. Im Grossen und Ganzen habe die Globalisierung immer einen positiven Nettoeffekt.

Die Globalisierung habe sich total verändert, ist Larry Summers überzeugt. Sprach man vor einigen Jahren noch von Importen und Exporten, so lebten wir heute im Zeitalter der globalen Produktionskette. Diese Kette verändere die Spielregeln stark. Kapital und Produktion kann sehr schnell verschoben werden. Dieser Wettbewerb kann laut Summers eine Negativspirale auslösen.




Quelle.  
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Davos

Jan. 20th, 2017 09:59 pm
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Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben zu einer paradoxen Situation geführt: In Davos wird mit Erstaunen bis Entsetzen auf den Beginn der Präsidentschaft von Donald Trump geschaut, dessen Äusserungen befürchten lassen, dass es im Kernland des Kapitalismus zu einer Renaissance von Isolationismus, Nationalismus und Protektionismus kommt. Zugleich wurde der erste Auftritt eines chinesischen Machthabers bejubelt, der sich als Verteidiger von Freihandel und Globalisierung präsentierte, obwohl es sich bei China um eine Diktatur handelt und die Wirtschaft in vielen Bereichen noch stark abgeschottet ist. Doch es war im Davoser Kongresszentrum unübersehbar, dass das Reich der Mitte eine neue Stufe des Selbstbewusstseins erklommen hat.

Viele überzeugende Antworten, so es denn überhaupt welche gab, hat man in Davos nicht auf die neuen Fragen gehört. Vieles erinnert an ein Stochern im Nebel. Grossbritannien sucht sein Heil in einer noch stärkeren Globalisierung bei zugleich besserer Berücksichtigung der Interessen aller Gesellschaftsschichten. Das ist ein schwieriger Spagat. Je nachdem, wie schlecht oder gut dieser den Briten gelingt, könnte ihr Weg zum abschreckenden Beispiel für andere Nationen werden – oder zu einem neuen Vorbild.


Quelle. 
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Sänger und Musiker sind nicht die einzigen Künstler, die Trump eine Nase drehen, auch viele Hollywoodstars rufen zur Gegenwehr auf. Schauspielerinnen wie Julianne Moore, Frances McDormand und Scarlett Johansson wollen am Samstag beim «Women's March» mitlaufen, dem grossen Protestmarsch, zu dem Hunderttausende aus allen Teilen des Landes nach Washington kommen. Bildende Künstler, darunter Cindy Sherman und Richard Serra, haben Museen und Galerien aufgefordert, am Freitag die Türen zu schliessen – eine Idee, die nicht nur Beifall erhalten hat. Zu Recht: Warum sollen ausgerechnet die Institutionen zumachen, in denen jene Diversität und intellektuelle Auseinandersetzung befördert wird, die zu stärken nötiger scheint denn je?

Um in diesem Sinne dem Geist der Zeiten zu trotzen, hatte die Autorenvereinigung PEN America schon am letzten Sonntag eine grosse Anzahl Schriftsteller zu einer öffentlichen Lesung auf den Stufen der New York Public Library versammelt, wo Michael Cunningham, Siri Hustvedt, Rick Moody, Jeffrey Eugenides, Francine Prose und viele andere über drei Stunden in klirrender Kälte Gedichte vortrugen – mit anschliessendem Protestzug zum Trump Tower. Dortselbst fand auch am Donnerstagabend auf Anregung des Filmemachers Michael Moore und diverser Schauspieler eine grosse Protestveranstaltung statt – mit im Boot: New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio.

Es ist in diesem Zusammenhang wohl nicht unerheblich, dass Barack Obama den Künsten und der Literatur sehr zugetan ist; Bücher sind dem scheidenden Präsidenten erklärtermassen Seelennahrung und Überlebenshilfe. Künstler und Schriftsteller waren im Weissen Haus regelmässig zu Gast, und wie man den Hochglanzmagazinen entnehmen kann, haben die Obamas die Wände mit moderner und zeitgenössischer Kunst gefüllt. Von Trumps Engagement in Sachen Kunst ist bisher nicht viel an die Öffentlichkeit gedrungen – nur überlebensgrosse Ölporträts von ihm selbst. Und natürlich jene Tweets, in denen er das Broadway-Ensemble des Musicals «Hamilton», den Schauspieler und TV-Trump-Parodisten Alec Baldwin und zuletzt Meryl Streep für «vollkommen überschätzt» erklärte – weil diese ihn kritisiert hatten.

Tickets fürs Volk

Der Mann, der Glamour und Star-Power über alles liebt, hatte bei seiner Amtseinführung also weitgehend nur die zweite Wahl. Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er aus dem Debakel nicht Kapital geschlagen hätte. So verkaufte er – via Twitter, versteht sich – das mickrige Star-Aufgebot als eine Verbeugung vor seinen Fans. Er wolle gar keine Superstars haben, sondern die Tickets günstig halten, damit auch «das Volk» dabei sein könne.

Angesichts all der Absagen, die es von Entertainern, aber auch von vielen Politikern hagelte, war dieser Impuls im Zweifelsfall wohl eher eine Notmassnahme, um die Ränge mit jener «riiieesigen Menge» zu füllen, die der neue Präsident seiner Selbsteinschätzung nach wie ein Magnet anzieht.


Quelle. 
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Eine Antwort auf diese "Globalisierung des Nationalismus", wie es der Schweizer Karikaturist Patrick Chappate nennt, findet man in Davos allenfalls in Ansätzen: Bloß nicht kollaborieren, bloß nicht den Populismus normalisieren, sagt Jan-Werner Müller, der in Princeton Politikwissenschaften lehrt. Das würde die Demokratie noch stärker gefährden.
Mehr Transparenz, mehr Verantwortung, noch mehr guten Journalismus fordert Mark Thomsen, CEO der 
New York Times. Aber auch er weiß: Den Kern der Trump-Wähler wird er damit nicht erreichen.  

IWF-Chefin Christine Lagarde sieht im Kampf gegen die wachsende soziale und ökonomische Ungleichheit einen wichtigen Ansatz: Sie habe bereits 2013 in Davos vor den Folgen dieser Entwicklung gewarnt, sagtLagarde. Damals habe sie kaum Aufmerksamkeit bekommen. "Hoffentlich hören die Leute heute zu."

Wie sehr der Wahlsieg Trumps die Welt verändert hat, zeigt die Rede des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Er tritt in Davos nicht nur als Verteidiger der Globalisierung und des Freihandels auf, was nicht wirklich überrascht, sondern als auf Ausgleich bedachter, weltoffener Politiker. Xi Jinping wendet sich direkt an den nicht anwesenden künftigen US-Präsidenten: "Niemand wird als Sieger aus einem Handelskrieg hervorgehen. Wenn wir auf Schwierigkeiten stoßen, sollten wir uns nicht beschweren, anderen die Schuld geben oder weglaufen. Stattdessen sollten wir Hand in Hand gehen und uns der Herausforderung stellen."

Die Rede von Xi Jingping hat in Davos viel Aufmerksamkeit bekommen. China als Hort der Vernunft – vielleicht ist das die positive Nachricht, die vom diesjährigen Weltwirtschaftsforum ausgehen kann. Hoffentlich wird sie in Washington auch gehört.

Quelle. 


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Davos:Der Davos-Mann ist in der Krise

Das Weltwirtschaftsforum endet in lauter Ratlosigkeit: Was tun gegen Trump, Nationalismus, den Frust der Mittelschicht? Die Antworten der Elite überzeugen kaum.

92_lina: h. w. (H. W.)
 

Das Vermächtnis - Die Welt, die wir erleben wollen

Kennen wir uns eigentlich selbst? Wissen wir, was wir wollen, was wir schätzen an unserem Leben und was wir gerne nachfolgenden Generationen mit auf den Weg geben würden? Worauf könnten wir verzichten? Was ist uns wichtig? In welchem Verhältnis stehen für uns Beruf und Privates, persönliche Erfüllung und materieller Wohlstand, Selbstbestimmtheit und Familienwunsch? Was würden wir sofort hinter uns lassen,wenn wir ein zweites Mal auf die Welt kämen? Welche sinnlichen Eindrücke nehmen wir als Schatz mit in die Zukunft? All diese Fragen sind Thema der großen Vermächtnisstudie, welche DIE ZEIT, infas und WZB vor zwei Jahren gemeinsam initiiert haben. Über 3.000 Menschen in Deutschland sind für diese repräsentative Studie in einem persönlichen Interview befragt worden.

Die Studie erfasst die Einstellungen, Normen und das Vermächtnis an weitere Generationen auf Gebieten von Familie über Erwerbstätigkeit, Nahrung, Gemeinschaft und Gesundheit und gibt umfassend Auskunft zu den Gesellschaftsentwürfen von Menschen zwischen 14 und 80 Jahren. „Die Einkommen liegen weit auseinander, die Vermögen noch mehr, der Zugang zu Bildung ist sehr ungleich verteilt, es gibt Unterschiede zwischen Ost und West“, sagt WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger in einem Gespräch mit der ZEIT zur Studie. „Man könnte in vielerlei Hinsicht von einer gespaltenen Gesellschaft sprechen. Unter der Oberfläche aber, im Inneren, wenn es um die Werte und Normen geht, liegen die einzelnen Gruppen der Gesellschaft nah beieinander. Das ist Anlass für Hoffnung und politisches Handeln.“

Was die Erwerbsarbeit betrifft, so ergab die Umfrage eine hohe Empathie der Menschen ihrer Arbeit gegenüber: „Früher mag im Berufsleben das materielle Motiv im Vordergrund gestanden haben. Heute erfüllt die Arbeit auch einen immateriellen Zweck: Sie gehört im Empfinden der Deutschen zu einem erfüllten Leben einfach dazu“, so Allmendinger. Die Menschen arbeiteten nicht nur des Geldes wegen: Viele von ihnen „haben das Gefühl, keinen weiteren Besitz anhäufen zu müssen. Trotzdem wollen sie arbeiten.“ Das einst hinsichtlich der Arbeit vorherrschende Pflichtgefühl scheint passé: „Es gehörte sich einfach zu arbeiten, vor allem für die Männer. Heute hat die Pflicht als ausschließliches Motiv ausgedient“, resümiert Allmendinger eine zentrale Erkenntnis der Studie.



 

Quelle. 
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... die Lebensdauer des Elektrons muss größer als 10^24 Jahre sein, das sind 14 Größenordnungen mehr als das geschätzte Alter unseres Universums ...

Harald Fritzsch


Die Ewigkeit so nah ..



 
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" Chandrasekhars Veröffentlichung inspiriert den besonders angesehenen, englischen Astrophysiker Sir Arthur S. Eddington (1882 - 1944) 1935 zu der Spekulation, dass - gäbe es dieses Massenlimit - relativistische Sterne so sehr kollabieren könnten, dass ihr Gravitationsfeld die Strahlung ’einfangen’ würde. Freilich nennt er diese Objekte  nicht "Schwarze Löcher" ; er empfindet sogar diese Vorstellung als absurd und wurde eher ¨Naturgesetze erwarten, die diese Absurdität verhindern." "


in : Andreas Müller


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Eine Besprechung zu "Geist und Kosmos " von Thomas Nagel.

Gefunden bei amazon. 

"Das Werk eines durch und durch unabhängigen Geistes...

...das ist ein Zitat von "The New York Review of Books" über den Autor Thomas Nagel und besser finde ich, kann man es nicht zusammenfassen. Das relativ schmale, nur rund 180 Seiten fassende und zum Verschlingen einladende Bändchen, ist tatsächlich komplett unabhängig vom traditionellen Wissenschaftsbetrieb in Physik und Evolutionsbiologie zum einen, und auch von der theistischen Erklärungsweise zum anderen. Eine Einstellung, die man ohne materialistische oder religionsgeprägte Hintergedanken und einer solch fundierten Analyse nicht oft findet. Da die besprochene Materie nicht trivial ist und Thomas Nagel häufig sehr gute Zusammenfassungen seiner eigenen Ansichten liefert, werde ich wo nötig auf seine eigenen Worte zurückgreifen und dies immer deutlich kenntlich machen.

Vertreter einer theistischen Erklärung der Welt sei gesagt, dass sie hier keine neue Kampfschrift gegen die Wissenschaft und für eine ausschließlich transzendente Erklärung der Welt erwartet. Nagel stellt gleich Anfang in eigenen Worten klar, dass er "…den Theismus…für kein bisschen glaubwürdiger als den Materialismus hält. Er stellt weiter fest, "...der Theismus...bietet eine sehr partielle Erklärung für unseren Platz in der Welt". Die Existenz zahlreicher konkurrierender Religionen verschärft diesen Fakt noch. Er führt weiter aus "Der Nachteil des Theismus besteht…nicht darin, dass er keine Erklärungen liefert, sondern dass er dies nicht in der Form einer umfassenden Darstellung der Naturordnung tut. Nagel ist es "...nicht möglich, ...die Alternative eines höheren Plans als eine wirkliche Option anzusehen".

Nach seiner Ansicht "...verstößt (der Theismus) die Suche nach der Intelligibilität aus der Welt." Intelligibilität sei hier definiert als die "Fähigkeit, Zusammenhänge ohne sinnliche Wahrnehmung, nur durch den Intellekt zu erfassen". Hier soll allerdings nicht im Geringsten der Eindruck aufkommen, es handele sich um eine primär religionskritische Schrift. Ebenso klar sind die Angriffe auf das gängige naturwissenschaftlich Weltbild und den reduktiven Materialismus. Gerade dass, was den Menschen ausmacht, wie Geist in Form von unter anderem Denken, Bewusstsein und Werte, lässt sich nach Nagel nicht auf teils abenteuerliche. und in avantgardistischen Randbereichen schier ebenso religiös anmutende physikalische Gesetze sowie pure Mathematik reduzieren.

Gemäß Nagel hat die theistische Darstellung den Vorteil, zumindest Erklärungsmodelle zu liefern für das, was über das Reale hinausgeht. Nagel subsumiert seine Haltung gegenüber beiden Welterklärungsmodellen in der pointierten Aussage "Der Theismus bietet keine ausreichend substanzielle Erklärung unserer Fähigkeiten, und der Naturalismus bietet keine ausreichend vergewissernde Erklärung dafür." Nagels Fokus liegt in dem Gebiet, welches zwischen diesen beiden traditionell von jeher unvereinbaren Polen liegt und er glaubt, dass es "weitere Möglichkeiten" geben muss. Nagel hofft auf "ein transzendentes Selbstverständnis..., das weder theistisch noch reduktionistisch ist".

Sein Idealbild liest sich wie folgt: "Aber wäre nicht eine alternative, säkulare Konzeption denkbar, die den Geist und alles, was er impliziert, nicht als den Ausdruck göttlicher Intention, sondern zusammen mit der physikalischen Gesetzmäßigkeit als ein fundamentales Prinzip der Natur anerkennen würde?" Nach Nagel müsste es eine Alternative zum Materialismus geben, "welche mentalistische und rationale Elemente einschließt". Er führt jedoch weiter aus, "dass diese Elemente der natürlichen Welt angehören könnten und keinen transzendenten individuellen Geist implizieren müssen, geschweige denn ein vollkommenes Wesen".

Diese "weiteren Möglichkeiten" und die Vereinigung der beiden so konträren Welten, die er zum Glück nicht mit dem vielstrapazierten Begriff "Ganzheitlichkeit" versieht, kann er allerdings nicht ausführlicher benennen, er fordert sie eben als Philosoph nur wie er es als seine ureigene Aufgabe sieht. Haben wir aber ein bahnbrechendes Buch vor uns, das in der Lage ist solch Modelle zu liefern um solch unterschiedliche Weltsichten zu vereinen? Per Definition natürlich nicht. Er selbst stellt es auch gleich klar "dass er keine Alternative zu bieten hat" und resümiert am Ende des Buchs sogar recht pessimistisch, dass zumindest "mein eigener Versuch, Alternativen zu untersuchen, bei weitem zu phantasielos ist."

Aber wenn man Missstände gerade als Philosoph nicht zumindest benennt, wird man sie auch nicht versuchen zu überwinden. Meine bescheidene Meinung und versuchte Würdigung der Leistung Nagels ist, das selbstverständlich das gegenwärtige naturalistische Weltbild verbesserungswürdig ist. Formal gesehen kann man, wie Nagel, es auch als "falsch" bezeichnen. Sicherlich muss es deutlich ergänzt werden, aber das ist sowieso Grundprinzip der Wissenschaften im Spannungsfeld von Verifikation und Falsifikation. Erkenntnisse werden verworfen oder verfeinert wenn man neue nachweisbare Fakten hat. Dies schließt natürlich noch nicht Nagels Forderung nach der integralen Würdigung des Geistes ein. Nagel selbst definiert nicht im Detail, was "Geist" überhaupt ist, so wie es auch bisher dafür keine allgemeingültige und von allen Lagern akzeptierte Definition gibt.

Des Weiteren scheint mir Nagel nicht auf dem neuesten Stand der Hirnforschung als auch neuester Erkenntnisse der Theoretischen Physik zu sein, da er gerne das "Urknallmodell" zitiert. Dies hat gerade in den letzten 2 Jahrzehnten eine deutliche Erweiterung erfahren hat und im Besonderen zyklische Erklärungsmodelle gehen weit über diesen Ansatz hinaus und sind viel deutlicher selbsterklärend und unabhängiger von äußeren Events. Dennoch ist Thomas Nagels Buch in jeder Hinsicht lesenswert und eine geistige Bereicherung ohne Gleichen, die in der Form kaum an anderer Stelle geboten wird. Die rund 180 Seiten gliedern sich in folgende Kapitel:

Vorwort
Kapitel 1: Einleitung
Kapitel 2: Der Antireduktionismus und die Ordnung der Natur
Kapitel 3: Bewusstsein
Kapitel 4: Kognition
Kapitel 5: Wert
Kapitel 6: Schluss
Register.  "
 


 
Quelle. 
92_lina: h. w. (H. W.)
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Edward Witten über Raum und Zeit, Weltformeln, Superstringrevolutionen und die Bedeutung der ominösen M-Theorie.

Das Gespräch führte Rüdiger Vaas
 

bild der wissenschaft: Sie sagten einmal, dass es wie eine kosmische Verschwörung wäre, wenn sich herausstellen würde, dass die Stringtheorie – eigentlich sind es ja fünf verschiedene Theorien – falsch ist. Stehen Sie noch zu dieser Aussage?
Edward Witten: Ja, das tue ich. Denn es wäre eine unglaubliche Koinzidenz für uns Physiker, wenn wir über eine Theorie gestolpert wären, die so reichhaltig ist, dass sie es ermöglicht, Quantenmechanik und Schwerkraft zu verbinden sowie einen natürlichen Rahmen für die Vereinigung der Kräfte zu liefern. Also führt uns entweder eine riesige kosmische Verschwörung in die Irre – oder die Theorie ist auf dem richtigen Weg. Ich tendiere zu der zweiten Interpretation.

Was ist die wichtigste Frage in Ihrem Forschungsgebiet, auf die Sie gerne eine Antwort wüssten?
Die Fragen, die wir heute stellen, unterscheiden sich von früheren Fragen, etwa Ende der 1980er-Jahre. Eine wichtige Frage ist die nach dem Prinzip, das der Stringtheorie zugrunde liegt. Einstein hatte sein Äquivalenzprinzip für die Allgemeine Relativitätstheorie. Aber von der Stringtheorie kennen wir bislang nur Bruchstücke, ohne das Prinzip dahinter zu verstehen. Ich würde also gerne wissen, wie die fundamentalen Gleichungen lauten und was all die vielen möglichen Lösungen der Stringtheorie determiniert – oder ob sie alle ein Zufallsprodukt sind, wie es die Hypothese der Stringlandschaft besagt.

Denken Sie, dass die M-Theorie, die alle Stringtheorien vereint, die einzige fundamentale Theorie ohne innere Widersprüche ist, während alle konkurrierenden Theorien inkonsistent sind?
Das ist zu stark. Die M-Theorie könnte die einzige konsistente Theorie der Quantengravitation sein. Aber die Allgemeine Relativitätstheorie ist konsistent ohne Quantenphysik, und die Quantenchromodynamik ist konsistent ohne Schwerkraft. Ich persönlich halte es für vernünftig zu vermuten, dass die Theorie der Quantengravitation einzigartig ist. Aber andere denken anders darüber.

Im Jahr 1995 haben Sie mit der Formulierung der M-Theorie die zweite Superstringrevolution initiiert. In welchem Zustand ist die Stringtheorie heute im Vergleich zu 1995?
Wir können seither wesentlich mehr berechnen und verstehen, etwa im Zusammenhang mit den Dualitäten, die die Stringtheorien mit der M-Theorie verbinden. Und wir können mehr Aussagen aus der M-Theorie ableiten. Wir verstehen jetzt beispielsweise das Verhalten der zweidimensionalen Membranen. Das war vor wenigen Jahren noch nicht der Fall. Doch das fundamentale Prinzip der M-Theorie ist weiterhin unbekannt.

Die M-Theorie ist auch noch gar nicht völlig ausgearbeitet.
Richtig. Es gibt eine Bezeichnung, aber eigentlich zwei Dinge: Da ist der Grenzfall der Stringtheorien, der zuweilen M-Theorie genannt wird, und da ist auch das allumfassende Bild, das die Stringtheorien enthält – und vieles mehr. Es wäre besser gewesen, zwei verschiedene Begriffe zu prägen, um die sprachliche Zweideutigkeit zu vermeiden.

Und was bedeutet der Buchstabe „M“ in M-Theorie? 
Ich wollte damals kein Geheimnis daraus machen – wenn manche Journalisten auch so tun, als hätte ich 1995 die M-Theorie erfunden. Aber es gab Vorarbeiten schon viele Jahre früher, etwa zur elfdimensionalen Supergravitation. Und manche Kollegen dachten, es gäbe eine elfdimensionale Theorie, die auf Membranen basiert. Doch ich war nicht davon überzeugt, dass sie vollständig funktioniert. Ich wusste aber auch nicht, ob sie falsch ist, und ich wollte ihr nicht widersprechen. Daher behielt ich das M von „Membran“ und meinte, dass es sich mit der Zeit schon zeigen würde, ob das M für „Magie“, „Mysterium“ oder „Membran“ steht. Später wurden die Membranen dann von Matrizen abgeleitet, und zufällig fängt die Matrix-Theorie auch mit „M“ an.

Es gab auch die Spekulation, dass Sie das W in Ihrem Namen einfach umgedreht haben.
Darüber habe ich herzlich lachen müssen.

Denken Sie, dass Raum und Zeit fundamental sind?
Das ist unwahrscheinlich. Aber wir haben keine gute Vorstellung davon, was sie ersetzen könnte. Es gibt einige Spezialfälle, doch sie fügen sich nicht zu einem klaren Bild.

Und die Schwerkraft – ist sie abgeleitet, also emergent, oder aber grundlegend?
Wenn man davon ausgeht, dass Raum und Zeit nicht fundamental sind, dann ist wohl auch nichts in ihnen fundamental. Wenn Raum und Zeit sich letztlich als abgeleitete Größen herausstellen werden, dann folgt daraus, dass auch alle Kräfte emergent sind.

Ist es überhaupt sinnvoll zu fragen, ob es grundlegende Bausteine der Welt gibt? Oder wird aufgrund der Dualitäten, die verschiedene Phänomene oder Theorien ineinander über- führen, sowieso alles zu einer Frage der Perspektive?
Ich neige zu der Auffassung, dass wir nicht wissen, was ein solcher fundamentaler Baustein ist, wenn man es so nennen möchte. Ich bin da auch ein wenig skeptisch. Vielleicht gibt es fundamentale Konzepte oder einen fundamentalen Rahmen, aber wir haben das noch nicht verstanden. Ich bin nicht sicher, was ich in den 1990er-Jahren dazu gesagt hätte. Heute vermute ich, dass die Raumzeit irgendwie emergent ist – ähnlich wie Strings, Felder, Teilchen und Kräfte in der Raumzeit. Aber noch früher, in den 1980er-Jahren, hätte ich wohl gesagt, dass eine Version der Strings fundamental ist. Doch die zweite Stringrevolution 1995 hat diesen Standpunkt ins Wanken gebracht.

Denken Sie, die dritte Superstringrevolution ist nahe?
Ich hoffe es – aber ich kann nicht sagen, dass es Anzeichen dafür gibt. Allerdings bin ich mit der etablierten Zählung auch nicht recht einverstanden. Ich finde, die Zeit vor meiner Mitarbeit, als die Stringtheorie sich in den 1970ern entwickelte, sollte als erste Superstringrevolution bezeichnet werden. Ich persönlich denke, dass es schon drei Revolutionen gab.

Was halten Sie von der Hypothese der Stringlandschaft? 
Ich wäre froh, wenn es keine Stringlandschaft gäbe. Denn ich bevorzuge Einsteins Vision, dass es möglich ist, alle dimensionslosen Quantitäten der Natur aus ersten Prinzipien zu berechnen. Ich weiß wirklich nicht, ob die Landschaft real ist. Es gibt aber ein paar Dinge, die mich davon abhalten, diese Vorstellung zu verwerfen. So existieren Hinweise darauf unabhängig von der Stringtheorie, etwa die beschleunigte Ausdehnung des Weltraums, die Physiker wie Martin Rees, Steven Weinberg und Andrei Linde die Landschaft ernsthaft in Betracht ziehen lassen. Die andere Sache ist, dass meine Generation entdeckt hat, dass die Stringtheorie, obwohl sie mehr oder weniger einzigartig ist, extrem vielfältig wird, weil es diese Fülle der Möglichkeiten gibt, wie die Extradimensionen kompaktifiziert werden können. Ich habe viel Zeit darauf verwendet und dachte, das wären Übertreibungen im Formalismus. Aber wir sollten die Hypothese der Stringlandschaft nicht vorschnell ausschließen. Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand etwas entdeckt hat, das er nicht mochte und deshalb verwarf – und später stellte sich heraus, dass es doch wahr ist.

Sie sind auch ein großer Mathematiker. Existieren algebraische und geometrische Systeme für Sie absolut und an sich, oder halten Sie diese für nützliche Instrumente und Erfindungen?
Für mich sind mathematische Strukturen real. Ich bin sicher, dass die meisten Mathematiker diese Antwort geben. Sie können meine Aussage aber interpretieren, wie Sie mögen.

Sie sind Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften – nur ehrenhalber oder auch aufgrund religiöser Überzeugungen? Wollen Sie, wie Stephen Hawking es einmal metaphorisch formuliert hat, gar den „Geist Gottes“ verstehen?
Ich habe einen jüdischen Hintergrund. Aber das ist vor allem eine gefühlsmäßige Bindung an die Tradition, ohne dass ich damit einen Wahrheitswert verknüpfe. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, als ich zum Mitglied der Akademie berufen wurde, und die Einladung gerne angenommen. Aber es geht mir nicht darum, den Geist Gottes zu verstehen. ■

 

Ausgabe: 5/2013, Seite 58   -  Erde & Weltall


Quelle. 
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" ... In gewisser Weise stellt die Wertschätzung einen Versuch dar, die Zeit zu kontrollieren (...). Etwas wertzuschätzen bedeutet, sich der Vergänglichkeit der Zeit zu widersetzen, darauf zu bestehen, dass der Lauf der Zeit keinerlei normative Autorität besitzt." Etwas unbegrenzt zeitliche Dauer zu wünschen ist gleichbedeutend mit: es wertzuschätzen. 


Aus: "Die Zeit" Nr 29./2015, S. 43, Sachbuchbesprechung von Michael Hampe




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Selbst neben diesen eindrucksvollen literarischen Zeugnissen (gemeint sind Werke von Arthur Schnitzlers, Franz Kafka und Thomas Mann) konnte Freuds Prosa bestehen. Sein Deutsch - für das er 1930 den Goetherpreis erhalten hatte - war einfach, wundervoll klar, humorvoll und unendlich selbstreferentiell. Das Buch hatte mir eine neue Welt eröffnet. 



Eric Kandel, Auf der Suche nach dem Gedächtnis



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